Lisa Sonnenschein
Die Adventszeit schlägt bei mir mal wieder total ein. Ich werde zum Backmonster, verschlinge Märchen und genieße die Lichter auf den Straßen. Manchen Menschen ein Graus - aber ich liebe Weihnachtsvorbereitungen =)!
Weil grade alles so hübsch ist, gibt es dazu auch noch die hübsche Rezension eines hübschen Buches.
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Vorab: Bis zum 15. Dezember könnt ihr noch eines der Bücher vom Wunderhaus Verlag gewinnen! Einfach die Facebookseite des Verlags liken und eine Nachricht, eine Brieftaube oder eine Eule schicken, dass ihr gerne dabei sein würdet und dass ihr von mir kommt :). Wer außerdem noch Lust auf mein liebstes Weihnachtskeks-Rezept hat (könnte man auch zu Oster backen^^), dem sei das passende Video dazu ans Herz gelegt:

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Die Geschichte von Rotkäppchen und dem Wolf muss ich euch ja wahrscheinlich nicht erzählen. Anders ist sie nur insoweit, als dass Rotkäppchen in diesem Buch nicht selbst die Geschichte erlebt, sondern sie in Form eines Theaterstücks auf der Bühne erzählt. Das wird aber nur durch Bilder angedeutet - was erzählt wird, ist schließlich altbekannt.
Die Illustrationen sind das Herz der Geschichte! Der Künstler Anton Lomaev hat sich (wie bei der Kleinen Meerjungfrau auch schon) wirklich in Details über Details verwirklicht. Jede Seite ist ein einziges Wimmelbild und wer mag, kann mit diesem Buch Stunden verbringen. Meine Lieblingsanspielung: Auf dem Bett der kranken Großmutter liegt aufgeschlagen das Buch "Der gestiefelte Kater", das Lomaev schon illustrierte. Das wird übrigens auf der nächsten Seite auch gleich mitgefressen ;). Wer aufgepasst hat, findet auch die drei Jäger, die hinterher den Tag retten, schon vorher im Buch - wie auch den Wolf, der später als "Darsteller" hinter der Bühne wieder auftaucht. 
Insgesamt ist der Textanteil in diesem Buch geringer als bei der Kleinen Meerjungfrau - wer die klassischen Grimmschen Märchen kennt, wird sich darüber auch nicht wundern. Auch wichtig zu sagen: Das Märchenbuch ist auf keinen Fall ein bloßes Kinderbuch! Ja, es eignet sich wegen der vielen Details ganz hervorragend zum Vorlesen und gemeinsamen Blättern, aber auch 26-Jährige haben (offensichtlich!) ihren Spaß daran. Insgesamt ist diese Ausgabe von "Rotkäppchen und der Wolf" eines dieser Gute-Laune-Bücher, die sich im Regal wunderschön machen und beim Aufschlagen immer wieder für gute Laune und ein kindliches Grinsen im Gesicht sorgen. Ich möchte es nicht mehr missen und freue mich immer wieder darüber :)!
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Die Brüder Grimm: Rotkäppchen und der Wolf. Erschienen am 15. August 2017 im Wunderhaus Verlag. Kostenpunkt: 14,98€ als Hardcover.
Lisa Sonnenschein
Okay, Lisa - ist ja schön, dass du in der Buchbranche arbeitest. Aber was genau treibst du da eigentlich den ganzen Tag? Was ist dein Job? Und was macht eigentlich dieser mysteriöse "Lektor" den ganzen Tag, um den sich so viele Mythen ranken und der alle sein wollen, aber niemand ist?
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Das sind genau genommen zwei Fragen. Ich fange mal mit der einfacheren an. 

Was ist dein Job?
Ich bin Volontärin in einem Wissenschaftsverlag - mein Volontariatsschwerpunkt ist das Lektorat. Gerade arbeite ich also der tatsächlich richtig echten Lektorin des Verlags zu. Das kann bedeuten, dass ich Texte (oder Kalender^^) setze, Artikel auf Fehler überprüfe, Sprachproben durchhöre oder auch mal eine Werbekampagne bei Facebook schalte. Das Schöne daran: Ich muss wirklich seltenst nach neuer Arbeit fragen, meistens ergibt sich irgendwas Neues, dem ich mich ungefragt widmen kann. Das kenne ich aus Praktika bisher so gar nicht - es sorgt dafür, dass ich mich besser eingebunden finde und nicht immer mit schlechtem Gewissen jemanden "nerven" muss, damit er/sie mich mit irgendwas möööglichst Sinnvollem beschäftigt.

Trotzdem ist die Arbeit entspannt - im Verlagshaus ist es selten mal richtig chaotisch, denn es kommen niemals zwanzigtausend Deadlines auf einen zu, es laufen nie zwanzigtausend Werbekampagnen gleichzeitig, weil die Literatur und ihre Leser speziell sind und jeder seinen festen Bereich hat. Der Fokus des Verlags liegt nicht auf "möglichst schnell möglichst viel, das sich möglichst gut verkauft", sondern eher auf "möglichst sorgfältig möglichst Zielgruppengenaues". Das entschleunigt, erhöht aber auch den Druck - man will ja einem gewissen Qualitätsstandard gerecht werden.
Die Lektorin meines Verlages entscheidet gemeinsam mit dem Geschäftsführer, welche Veröffentlichungen sinnvoll und umsetzbar sind und steht in engem Kontakt mit den AutorInnen, mit denen ständig aktuellere Versionen ihrer Manuskripte ausgetauscht werden.

Und was macht nun ein Lektor generell?
Das kommt immer ganz auf den Verlag an, in dem er/sie arbeitet. Reden wir von einem großen Publikumsverlag? Dann wird der/die LektorIn eher ein Projektmanager sein, einzelne Bücher auf dem Weg zur Veröffentlichung betreuen und das Verlagsteam anweisen, auf genau diese hinzuarbeiten.
An anderer Stelle wird der/die LektorIn eher ein/e KorrektorIn sein. Manuskripte sichten, Fehler korrigieren, Änderungen mit dem/der AutorIn absprechen sind dann eher die passenden Aufgabengebiete.
Wieder anderswo werden im Lektorat wirtschaftliche Entscheidungen getroffen - welche Bücher passen zum Verlag? Was verkauft sich? Was ist realisierbar? Der/die Lektorin führt dann Kalkulationen durch, errechnet für jedes Manuskript Ausgaben und den voraussichtlichen Ertrag. Natürlich gibt es dann auch noch die Kombination aus all diesen Aufgaben - und dann wirds ganz bunt!

Die Arbeit als LektorIn ist immer Einarbeitung pur. Man muss lernen, sich auf den Verlag, in dem man arbeitet, einzulassen - möglichst weiß man schon vorher, um was genau es (bei den veröffentlichten Büchern) geht. Denn je nachdem muss man fachliches Wissen mitbringen (als Jurist in einem Verlag für medizinische Fachbücher zu arbeiten, wird einen nicht unbedingt glücklich machen). So oder so wichtig ist aber Stressresistenz, Wille zur Kommunikation (mit AutorInnen und KollegInnen), ein sicheres Sprachbewusstsein und vielleicht ein bisschen Organisationstalent - das macht den Beruf des/der LektorIn auch besonders attraktiv für Quereinsteiger aller Branchen.
Lisa Sonnenschein
Eine Liebesgeschichte. Seufz. 
Wer sich jetzt fragt, wie das passieren konnte - ich bin bei buecher.de als "Buchflüsterer" angemeldet. Bedeutet, dass ich regelmäßig Neuerscheinungen zugesendet bekomme, die ich dann in gewissem Zeitrahmen rezensieren sollte. Das hat den Vorteil, dass ich auch mal Bücher lese, zu denen ich in der Buchhandlung nie gegriffen hätte. Außerdem hat es den Nachteil, dass ich auch mal Bücher lese, zu denen ich in der Buchhandlung nie gegriffen hätte^^. Genug Gelaber - hier mein Senf zum Buch!
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Henry hat eigentlich noch nie darüber nachgedacht, was "Liebe" eigentlich so mit einem macht - er ist 17 und über seinen ersten Kuss hinaus hat er auch nicht so richtig Ahnung, wie eine Beziehung mit einem Mädchen überhaupt funktioniert. Und dann kommt Grace an seine Schule. Sie trägt weite "Jungsklamotten", zieht ihr Bein nach und ist auch sonst so ganz anders als die anderen...

Klingt jetzt nach einer klischeehaften Teenie-Lovestory. Ist es auch - aber eben nicht ganz. Denn ab der Hälfte der Geschichte werden wir hier mit einer Wendung konfrontiert, die doch noch Tiefe in den Roman bringt. Im Mittelpunkt steht allerdings nach wie vor unser Henry, der viel darüber lernt, warum Menschen lieben - und den ich gerne regelmäßig in die Wange gezwickt hätte (wie die gruslige Oma auf dem Familienfest, zu dem man nie gehen wollte). Es ist wirklich schön, wie naiv der Junge an seine Geschichte herangeht, und wie er sich in deren Verlauf ändert.

Insgesamt gesehen hatte der Roman drei Phasen.
Erstens - Langeweile. "Mensch Meier, fahr das Drumherum runter und lass mich lieber mal in die Charaktere und die Handlung besser reinkommen."
Zweitens - aufmerksames Interesse. "Ach soooo ist das die ganze Zeit! Mensch, jetzt will ich aber wissen, wie es weitergeht!"
Drittens - Enttäuschung. "Na toll, ein einziges Klischee - die Geschichte hätte doch Potenzial gehabt!"

Am Schluss ist mir das ganze naive Getue dann wirklich auf die Nerven gefallen. Das Ende hat mich wirklich gestört, weil ich nach dem Mittelteil erwartet hatte, dass hier viel mehr bei rauskäme als nur "noch so ein Liebesroman". Ja, das Buch ist anders als viele aus derselben Sparte - aber für meinen Geschmack ist es immer noch zu rosa und schafft den Spagat zwischen "Liebesliteratur für Jugendliche" und "anspruchsvoller Roman, der einen etwas über das Leben lehrt" so gar nicht. Den versucht es aber - und da beißt sich dann der jugendlich-naive Protagonist mit dem seriös-tiefgründigen Hintergrund des Handlungsverlaufs.

Das Buch hat für mich nicht richtig funktioniert. Es hatte definitiv seine Höhen und ich habe mich nicht geärgert, es in die Hand genommen zu haben - aber so richtig Freunde sind wir nicht geworden und eine Empfehlung bekommt es von mir (als Gegnerin des Kitsches) leider nicht.
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Krystal Sutherland: Unsere Verlorenen Herzen. Erschienen am 25. September 2017 bei cbt. Kostenpunkt: 14,99€ broschiert.
Lisa Sonnenschein
Von Hamburg aus ist es gar nicht weit nach Berlin, habe ich festgestellt. Also ging es am Samstag ganz früh mit dem Fernbus los auf die Reise. Ziel: Der Alexanderplatz und schließlich die Sonnenallee - im riesigen Hotel Estrel sollte meine erste Buch Berlin stattfinden.
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Berlin war ekelig und nieselig. Dank der Büchergnomen, die mir nicht nur eine wunderbare Wegbeschreibung zukommen ließen, sondern mich auch noch über Nacht beherbergten, fand ich den Weg zum Hotel dann aber ganz einfach.
Von außen war es gar nicht mal so eine Augenweide - einfach nur extrem riesig. Aber innen öffnete sich eine wunderschöne Lobby vor einem und nach ein paar laaaaangen Gängen kam man dann zum vergleichsweise bescheidenen Haupteingang der Buchmesse. Eintrittsbändchen organisiert, Jacke abgegeben, rein ins Vergnügen - und direkt mal in meine Gastgeber to be gestolpert. Nicht schwer, wenn man die Größe der Messe bedenkt...

Das macht auch ihren unglaublichen Charme aus. Wer viel liest und ein bisschen seinen Lieblingsautoren folgt, der wird hier gar nicht vermeiden können, bekannte Gesichter zu treffen und fast alle haben (im Gegensatz zu den Zuständen auf der Frankfurter Buchmesse) Zeit und Lust für ein Schwätzchen.

Besonders schöne Begegnungen hatte ich (mal wieder!) mit Matthias und Frank vom Dichtfest- und Sascha vom Talawah-VerlagMona SilverShanti LunauAmalia Zeichnerin und natürlich Sebastian vom Wunderhaus-Verlag. Leute ihr seid toll! :)
Überhaupt war das Publikum und die Aussteller der Messe sehr vielfältig. Da gab es Infostände zum Koran, Fantasy en masse, Erotikliteratur, Queeres, Kinderbücher, Horror und Informatives. Und alle durften werben, werben und nochmals werben. Besonders an kleineren Tischen sind tolle Gespräche zustande gekommen, weil wirklich jeder motiviert war, über seine/ihre Bücher, den Buchmarkt allgemein oder das Schreiben zu sprechen. Eine tolle Atmosphäre! 

Zwei witzige Anekdötchen gibt es dann natürlich auch noch. Die gute Amalia Zeichnerin hat uns nämlich (neben einer kurzen Novelle^^) mit Zeitreisepässen versorgt und auch gleich mal ein wunderschönes Visum hineingezeichnet.
Die Pässe gibt es für 2,50€ vom Amt für Aetherangelegenheiten und sind für durch die Zeit reisende Leseratten natürlich unerlässlich! Muss ja alles seine Richtigkeit haben bei der Besichtigung der abertausenden Buchwelten. Übrigens gab es dann am Tag nach der Ausstellung gleich eine Rüge für das fehlende Foto vorne im Pass (geht ja auch gar nicht! ;)

Noch mal lustig wurde es dann mit der Autorin Rose Care. Sie hatte zum Verteilen auf der Buchmesse extra Handschuhe mit ihrem Namen anfertigen lassen und verschwitzt, Fotos damit zu einer Social Media Aktion auszuweiten. Also haben wir rumgeblödelt - nebenan das Ergebnis :P
Jetzt könnte man meinen, die Gute schreibt Horrorliteratur oder Thriller - nene, alles sehr gefühlvoll bei Rose. Da ist uns irgendwann dann wohl die Messeluft zu Kopfe gestiegen. Die Handschuhe sind übrigens unfassbar flauschig und leisten mir schon jetzt hervorragende Dienste an der Bushaltestelle morgens!



Und dann waren da natürlich noch die Bücher! Von denen habe ich dieses Mal viel zu viele gekauft (ich bin ja eigentlich nicht so der -auf-Messen-Käufer-, weil ich ungern meine Bücher durch die Gegend schleppe - die sehen dann hinterher schon immer so abgerockt aus). Aber bei den ganzen wirklich besonderen Signaturen konnte ich einfach nicht widerstehen. Ich werde euch die ganzen Schätze mal noch in einem gesonderten Post zusammenfassen - zu meiner Rechtfertigung hier aber noch ein einziges Bild! Die Autorin (Tanja Meurer) hatte eine Zeichnung wie diese in JEDEM ihrer Bücher - sie waren alle unterschiedlich und alle etwas besonderes...
Lisa Sonnenschein
Ich mag ja die Skandinavier und ihre Schreibe - sehr gerne lasse ich mich von der schlichten und atmosphärischen Art mitreißen und versinke in den gerne mal düsteren Geschichten. 
Umso spannender war also dieses Buch für mich, denn es erhielt den Titel als bester Kriminalroman Schwedens (2016). Auf ins Buch!
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Maja steht vor Gericht. Sie wird beschuldigt, einen Amoklauf an ihrem Gymnasium verübt zu haben und unter anderem ihren Freund und ihre beste Freundin erschossen zu haben. Maja ist gerade 18 geworden - ist sie wirklich eine Mörderin?

Das Buch arbeitet mit Zeitsprüngen - während wir uns immer wieder mit Maja in der Gegenwart befinden und sie bei ihrem Gerichtsprozess und im Gefängnis begleiten, gibt es zwischendurch auch Rückblenden zu Momentaufnahmen mit ihren Freunden, in denen wir mehr über unsere Protagonistin erfahren. Das sorgt für diesen klassischen "Die Hintergründe werden immer klarer"-Krimieffekt, den ich hier sehr gelungen finde.

Die Charaktere werden nur nach und nach beleuchtet - wirklich klar wird dabei jedoch nur Maja, die Randfiguren (ihr Freund, ihre beste Freundin, Klassenkameraden...) bleiben eher blass. Sie sind aber ja auch für den Verlauf der Gerichtsverhandlung und die Aufklärung des Falls eher zweitrangig.

Maja hat mich genervt. Ich habe ewig gebraucht, um in das Buch reinzukommen, weil ich sie vulgär und gleichgültig fand und zudem teilweise politische Sichtweisen in dem Buch durchblitzen, die ich absolut nicht teilen kann. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe: Die Autorin spielt mit mir! Sie provoziert den Aufreger über die konservativen Dorf-Schweden, deren Ansichten mich aufregen. Sie will, dass ich von den reichen Snobs angewidert bin, will, dass ich erkenne, wie natürlich und gleichzeitig sinnlos Majas Rebellion ausfällt. Ein grandioser Effekt, der mich wirklich tief beeindruckt hat!

Dazu kamen noch einige Stilmittel ganz am Ende des Buches, die ich jetzt hier nicht verraten kann. Nur eins am Rande: Diese Autorin hat mich ertappt - und sie wechselt irgendwann von einer bloßen Erzählung zu einer Ansprache an den Leser, die der gar nicht hat kommen sehen. Immer wieder stellt man dabei auch das eigene Weltbild infrage - es gibt bei diesem Buch kein richtig und kein falsch, es regt zum Selbstdenken an.

Mein Fazit: Ein fantastisch geschriebenes Buch, das mich erst irritiert und dann begeistert hat. Diese Autorin beweist ein außergewöhnliches Gespür für Erzählstil und verdient mit Sicherheit ihren Krimipreis. Cool!
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Malin Persson Giolito: Im Traum kannst du nicht lügen. Erschienen am 26. Oktober 2017 bei Bastei Lübbe. Kostenpunkt: 16,00€ broschiert.
Lisa Sonnenschein
Yay - der Auftakt zu dieser Trilogie ist mir schon auf der Messe wiederholt ins Gesicht gesprungen. Da wurde es auch offiziell vom Autor vorgestellt und jetzt endlich gibt es meine Rezension dazu =)!
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Das Leben unter der Weltenesche ist im Umbruch. Die Völker im Norden vereinen sich unter Fürst Morwa und seinen Söhnen, der Krieg wird in jeden Winkel der Welt getragen. Denn ein Machtumsturz steht kurz bevor und die Alten Götter erheben sich gegen die Menschheit, die sie vergessen hat. Mittendrin: drei starke Frauen, die ihre Rolle in diesem Spiel erst noch erkennen müssen.

Man merkt es schon an der kleinen Inhaltszusammenfassung: Dieses Buch ist Highfantasy der alten Schule. Epische Heldenreisen, eine Erzählung aus verschiedenen Sichtweisen (fiese Cliffhanger an den Kapitelenden inklusive), Magie, Kämpfe, Intrigen und jede Menge Geheimnisse. Dieses Buch hat sie alle.
Ich mochte besonders unsere drei Protagonistinnen - Sölva aus dem Gefolge des Nordmannes Morwa hat mir am besten gefallen. Vermutlich ist meine Liebe zur nordischen Mythologie dafür verantwortlich.

Ein bisschen schade war es, dass vom Autor nicht berücksichtigt wurde, dass das Buch nun mal ein erster Teil ist. Statt eines sanften Einführens in die Welt, in der wir uns bewegen, werden wir Leser mit Anlauf hineingeschmissen. Da fallen Stammesnamen, Titel und Ortbezeichnungen, die ich mir niemals alle hätte merken können. Sicher, das wird im zweiten Teil bestimmt alles noch mal aufgewärmt und vertieft - für den Moment habe ich mich aber dezent überfordert gefühlt. Dafür geht es aber auch gleich richtig zur Sache, Blut fließt wirklich einiges auf dem Weg zur neuen Ordnung und die Action bleibt bei keinem der Hauptcharaktere wirklich aus. Man hat insgesamt nicht den Eindruck, dass erst einmal viel erklärt werden müsste, bevor man wirklich erfassen kann, wo die Handlung hingehen wird. Das ist nicht nur eine Schwäche...

Die komplexe Welt in "Ein Reif von Eisen" ist abgesehen von etwas unübersichtlich und viel auf einmal auch eine große Stärke des Buches. Man kann erahnen, dass da noch unglaublich viel kommen wird und auch die Twists am Ende der Handlung machen wirklich neugierig auf die vielschichtige und leicht politische Highfantasy-Welt, mit der wir es hier zu tun haben.

Insgesamt ist das ein wirklich vielversprechender Reihenauftakt - ich werde auf jeden Fall auf den zweiten hinfiebern und freue mich schon sehr darauf, wieder in die Welt von Stephan Rother eintauchen zu können. Starke Charaktere und eine detailreiche Welt treffen einen tollen Erzählstil und einen actionreichen Handlungsverlauf. Einfach cool!
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Stephan M. Rother: "Die Königschroniken - Ein Reif von Eisen". Erschienen am 20. Oktober bei Rowohlt. Kostenpunkt: 14,99€ broschiert.
Lisa Sonnenschein
Sag mal Lisa, gibt es eigentlich auch Bücher, die dich nicht total begeistert haben?
Jap - aber sowas von! Es gibt viele Bücher, die ich gern gelesen habe, die mich aber nicht vom Stuhl geschmissen haben. Und dann gibt es diese Liste hier - auf der findet ihr jetzt 10 der Bücher, die ich am liebsten nie gelesen hätte...
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Wer das Ganze lieber als Videobeitrag sehen möchte, sei eingeladen, sich hier mein Gejammer anzuhören ;)



Nummer 1 - Theodor Fontane und "Effi Briest"
Vielleicht ist dieses Buch ein bisschen geschummelt, immerhin ist es von 1894 und ich musste es im Rahmen der Schullektüre lesen. Dazu muss ich anmerken, dass ich die Lektüre in der Oberstufe ansonsten eigentlich durchgängig interessant und spannend fand (zumindest habe ich immer brav mitgelesen und mich eher selten beschwert^^) - Effi war damit das erste Schulbuch, das ich wirklich völlig Banane fand. Ewiglange Landschaftsbeschreibungen, eine Protagonistin, die einen als aufgeklärte Frau aus dem 21. Jahrhundert einfach aufregen MUSS, ausgelassene Szenen, bei der Unmögliches der Vorstellungskraft des Lesers überlassen wurde. Dieses Buch war wie Kaugummi - eins von der Sorte, die nach dem ersten Kauen sofort geschmacklos und trocken sind...

Nummer 2 - Antonia Neumayer und "Selkie"
Dieses Buch hatte sooo viel Potenzial! Ein modernes Jugendbuch mit sympathischer Protagonistin - im Hintergrund die alte Saga über die "Selkie" - Menschen, die sich mithilfe eines Robbenfells in ebendiese Tiere verwandeln können (ich verlinke euch hier mal den Wikipedia-Artikel dazu, ist echt ein spannendes Thema). Leider war die Ausführung dann weit entfernt von diesem mythologischen Einschlag - die Charaktere haben teilweise widersinnig gehandelt, aus der Fantasykomponente wurde wenig gemacht und die Story war eher dünn... Superschade, aber diese coole Idee war wirklich unglücklich ausgeschrieben.

Nummer 3 - John Tiffany und Jack Thorne und "Harry Potter and the cursed child"
Hachja, über dieses Buch habe ich mich schon so oft aufgeregt - da wiederhole ich mich gerne auch noch mal schriftlich^^! Für mich wurde hier (super erfolgreich) versucht, sein Fähnchen so nach dem Wind zu drehen, dass alle alteingesessenen Fans ungefragt zugreifen. Ich habe zwischen den Zeilen lesen können, wie berechnend auf die Tränendrüse gedrückt wurde und das hat mich echt ein bisschen angewidert. Die Charaktere waren schwach bzw. wurden kaum neue Gesichter eingeführt, es gab Logikfehler in der Geschichte und sowieso scheint niemand in diesem Buch mal kurz nachzudenken, was er/sie da überhaupt tut!

Nummer 4 - Richard Laymon und "Das Ufer"
Mein erster Laymon ging ja mal gleich so richtig schief! Trotz des wunderbar leichtgängigen Schreibstils war dieses Buch eine echte Katastrophe... Eine dünne Handlung, die Auflösung aus dem Nichts, Sexismus pur (ich kann nicht zählen, wie oft die Protagonistin ein Kribbeln zwischen den Beinen verspürte oder wie oft sie irgendein Outfit plante, um irgendeinem Mann zu gefallen), sinnlose Handlungsentscheidungen und verdammt noch mal, es ist sogar ein Nebencharakter unabsichtlich von den Toten auferstanden! Geht gar nicht - das macht auch der genialste Schreibstil der Welt nicht mehr wett...

Nummer 5 - Jonas Jonasson und "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand"
Mir wird vermutlich für immer ein Rätsel bleiben, warum dieses Buch es sogar bis zu seiner Verfilmung geschafft hat. Der rabenschwarze Humor des Erzählers (nach dem Motto "Joa, dann sterben eben Menschen - dafür kann es wenigstens witzig passiert sein!") hatte für mich einfach nichts Humoriges. Ich lese gerne mal ein absurdes Buch - ich bin ein großer Fan von Terry Pratchett - aber der Hundertjährige war mir einfach zu viel. Dann noch die Verbindung mit einer politischen Komponente und ich war endgültig raus... Ich habe es auch mal mit "Die Analphabetin, die rechnen konnte" versucht - und festgestellt, das Jonasson wohl einfach nicht für mich schreibt.

Nummer 6 - Melissa de la Cruz und "The isle of the lost"
Ich las den Klappentext, dachte "Wow, genial! Ein Buch über die Kinder der Disney-Bösewichte! Brauch ich!" und wurde bitter enttäuscht... Diese Geschichte verspielt, ähnlich wie auch "Selkie" so viele Chancen, wirklich coole Anspielungen zu machen. So bleibt es bei einem total flachen Highschool-Teenieroman, in dem die süßen Girlzz die heißen Boyzz daten, Streiche spielen und ihren Eltern gefallen wollen. Unterhaltsam - das schon - aber überhaupt nicht das, was ich erwartet habe. Hier ärgere ich mich immer noch, auf die gigantische Marketingapparatur des Disneychannels reingefallen zu sein.

Nummer 7 - J.T. Sabo und "Die Schattenkriegerhexe"
Hier hätte ich vielleicht einfach mal einen Blick in den Klappentext werfen sollen, da wäre vieles klar geworden... So war es das erste Buch, das ich aus meiner Drachenmondverlags-Überraschungsbox gezogen habe. Im Mittelpunkt: Die toughe Jona und ihr heißer Schwarm, jede Menge Vampire und Hexen und ganz.viel.Rumgeturtel. Mir war die romantische Komponente in diesem Buch einfach zu stark - soll das jetzt ein temporeicher Actionklöpper mit Kampf gegen das Böse oder ein heißer Erotikroman mit "Beiß mich!"-Anwandlungen sein? Man weiß es nicht. Und genauso wenig weiß man am Ende des 184 Seiten Buches was eine Schattenkriegerhexe jetzt eigentlich so genau ist.

Nummer 8 - Kirsty McKay und "Untot"
Yay! Zombieapokalypse während des Schulausfluges! Was mich mit witzig-spritzigem Klappentext lockte, entwickelt sich zu einer klischeehaften Geschichte, der irgendwie nur die sympathischen Charaktere bleiben. Kennt ihr diese klassischen Teenie-Horrorstreifen aus Amerika? Das hier ist ein Buch, das genau so geschrieben ist. Wir haben die Tussi, den Nerd, den Sportler und das Mauerblümchen und während man am Anfang noch kopflos flieht und gruppeninterne Probleme hat, entbahrt sich am Ende des Buches cliffhangermäßig (ja, es gibt eine Fortsetzung) der "groooße Plan", den es zu vereiteln gilt. Gähn.

Nummer 9 - Victoria Scott und "Dante Walker, Seelensammler"
Irgendwie hatte ich nach dem Lesen dieses Buches noch nicht so einen negativen Eindruck davon. Der Grund: Der Schreibstil ist hier wirklich grandios. Witzig und auf den Punkt, dabei ein bisschen sarkastisch. Cool! Das Problem: Unser toller Badboy Dante entwickelt sich vom finsteren Helfer des Teufels, dem alles egal ist, zum verliebten Schaf - von Null auf Hundert. Eine mit Klischees vollgestopfte Handlung ist das Resultat. Das Mädchen entwickelt sich von Aschenputtel zu Cinderella? Check. Sinnlose Konflikte durch wahlloses Aus-der-Tür-stürmen nach einem Gespräch? Check. Dadurch in richtig wüste Schwierigkeiten geraten? Check. Dramatischer Showdown mit "Soll ich jetzt alles aufgeben für die Liebe meines Lebens"-Szene? Check des Todes!

Nummer 10 - Luna Darko und "Vergessene Kinder"
Das am schwierigsten zu beschreibende Buch kommt natürlich zum Schluss... "Vergessene Kinder" setzt sich mit einer Vielzahl sehr sensibler Themen auseinander. Drogenmissbrauch (kann man Drogen auch unmissbräuchlich gebrauchen?), Suizid, die Frage nach dem Ich. Es ist zwar wunderschön illustriert, dabei aber auch sehr flach geschrieben - aus der Sicht einer 16-Jährigen. Ich habe der Autorin die Begebenheiten im Buch darum überhaupt nicht abgekauft, es war für mich naives Geschreibsel einer Person, die sich mit diesen Themen nie selbst auseinandersetzen musste. Und bei dem Themenbereich finde ich das schon fast gefährlich...