Lisa Sonnenschein
Okay, es ist lateinisch und es geht um irgendwas mit Büchern. So weit so gut - aber was genau ist eigentlich dieses mysteriöse "Exlibris", das einem nur ganz selten mal begrifflich entgegenspringt, dann aber mit umso größerer Verwirrung stehen lässt?
Ich versuche mich mal an einer Erklärung.
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Wir alle sind ihm unheimlich dankbar, denn ohne ihn gäbe es unser allerliebstes Hobby heute nicht in der uns bekannten Form. Johannes Gutenberg erfand um das Jahr 1440 herum den Buchdruck und machte so das Medium "Buch" zugänglich für jedermann. Es dauerte gar nicht lange, da schossen die ersten Bibliotheken aus dem Boden - der Buchverleih florierte.

Bald merkte man jedoch, dass es gar nicht doof ist, die eigenen Bücher vor Diebstahl zu schützen, denn wurden Bücher entwendet, konnten sie ganz problemlos einfach weiterverkauft werden. Man fing also an, vorne handschriftliche Vermerke in die Bücher zu integrieren. Weil das wenig kunstvoll ist und einen ja auch irgendwie in der Zeit zurückwirft (wir drucken doch jetzt und schreiben nicht mehr!), gab es bald - zum Ende des 15. Jahrhunderts - das erste Exlibris. Das waren kleine bedruckte oder bestempelte Papierschnipsel, die einfach vorne ins Buch geklebt wurden. Einen Stempel selbst zu verwenden, um die Farbe direkt ins Buch zu bringen, galt in gehobenen Kreisen als "gewöhnlich".

Albrecht Dürers Exlibris für
Hieronimus Ebner
Jede Bibliothek, jedes Adelshaus, später jeder Privathaushalt hatte jetzt also sein eigenes, unverkennbares Exlibris. Es gab eine regelrechte Szene um diese Symbole herum, eine eigene kleine Heraldik (Wappenkunde) entstand. Albrecht Dürer, Hans Holbein der Jüngere - bekannte Kunstgrößen entwarfen Stempel für den wohlhabenden, bibliophilen Haushalt.

Merkwürdigerweise verschwand diese Begeisterung für die kleinen "Buchwappen" fast vollständig - erst um das Jahr 1880 tauchen wieder vereinzelte Neuschöpfungen auf, allerdings erreicht das Exlibris nie wieder seinen künstlerisch hohen Wert, vielmehr dient es jetzt wieder recht pragmatisch (und nun auch ganz profan in direkt gestempelter Form) der Kennzeichnung von Büchern. 1891 wurde schließlich die Deutsche Exlibris Gesellschaft e.V. gegründet. Diese bringt auch heute noch ein Jahrbuch heraus und hält mit der Nennung des "Exlibris des Monats" auch moderne Interpretationen der Siegelung hoch.
Moderne Interpretation eines "Exlibris"
Hier von Carmen Sevilla, gefunden auf
Pinterest

Der Ausdruck "Ex Libris" bedeutet übrigens nichts anderes als "Aus den Büchern (von)" - häufig wird wegen dieser Übersetzung auch der Name des Besitzers im Wappen hinzugefügt.

Und wenn ihr jetzt Lust habt, gebt doch einfach mal in die Google-Suche Exlibris ein und lasst euch überraschen, wie harmonisch ganz traditionelle Motive Seite an Seite mit modernen Interpretationen stehen. Ich könnte mich ewig durchscrollen...
1 Response
  1. Huhu!

    Ein sehr interessanter Beitrag! Ich wusste zwar, was ein Exlibris ist, aber nicht, wann und warum es entstanden ist.

    Wenn ich nicht die meisten gelesenen Bücher direkt wieder weiter verkaufen, vertauschen oder verschenken würde, würde ich auch Exlibris in meine Bücher kleben!

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt.

    LG,
    Mikka