Lisa Sonnenschein
Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht so unheimlich Steampunk-verrückt bin. Ich habe kaum Erfahrung in dem Genre, finde aber die Idee einer alternativen Vergangenheit grundsätzlich total spannend. "Der Hüter" ist ein Genremix-Buch, also perfekt für den Steampunk-Einsteiger mit Lust am Krimi :)
_______________________

Die auf dem Meeresgrund gebaute Stadt Biota ist seit dem Großen Krieg ein Ort der Zuversicht und des Neubeginns. Die Menschen, die hier leben, haben mit ihrer von Gewalt beherrschten Welt abgeschlossen - zumindest dachten sie das. Denn eines Tages wird Alexander, dem obersten Hüter der Stadt, zugetragen, dass eine Leiche gefunden wurde. Ein Mordopfer, das es eigentlich gar nicht geben sollte...

Wir Leser folgen dem Hüter der Stadt Biota - Alexander war mir als Protagonist sehr sympathisch. Er ist nicht der klassische Justus Jonas Besserwisser-Ermittler, sondern im Gegenteil ein bisschen gutgläubig. Durch sein Leben in einer Stadt ohne Gewalt und mit festen Strukturen hält er auch gerne mal ein bisschen zu fest an seiner Illusion der friedlich lebenden Menschheit.

Das verbaut ihn aber nicht seine Ermittlung; man ist ihm also nicht als Leser schon drei Schritte voraus oder muss sich im Gegenteil am Ende belehren lassen. Der Spannungsbogen bleibt vielmehr absolut beständig und es wird eine wunderbare Mischung zwischen Action und Hektik, Grübelei und Befragung und einer Winzigkeit Gesellschaftskritik geschaffen.

Der Sprachstil hat bei mir für flüssiges Lesen gesorgt und ist weder flapsig noch zu hochtrabend. Sehr schön fügt sich auch die Gestaltung in den Leseeindruck ein - da finden sich wunderschöne Illustrationen an den Kapitelanfängen (siehe oben) und die Covergestaltung ist auch noch mal etwas ganz Besonderes (einen kleinen Eindruck von der Prägung gibt es bei Nostalgic Books).

Das Ende ist schließlich voller überraschender Wendungen (und ehrlich, ich bin normalerweise sehr gut darin, sowas kommen zu sehen!) und bildet einen rundum gelungen Abschluss von Alexanders erstem Fall überhaupt - ergo gibt es keinen Cliffhanger. So richtig zu einem Ende kommt die Autorin dabei aber nicht, das Ende hier ist vielmehr ein Anfang ;)!

Mein Fazit: Ein supercooles, actiongeladenes Buch, das mich völlig verschluckt hat und an dem ich wirklich so gar nichts auszusetzen habe - wann passiert das schon mal?!
Fans guter Krimis kommen hier voll auf ihre Kosten, aber auch Dystopie-Liebhaber könnten mal reinlesen...!
_______________________


Jasmin Jülicher: Der Hüter, Stadt der Tiefe. Erschienen am 15. September 2017 via Nova MD. Kostenpunkt: 12,90€ als Taschenbuch.
2 Responses
  1. Und wieder verfluche ich meinen SUB! :-( Das klingt so toll und ist eine sehr gelungene Rezension! Bin auf weitere Artikel von dir zu dem Genre gespannt! lg Nadine von Nannis Welt


  2. Ich danke dir meine Liebe! =) Zu diesem Buch erwartet uns wirklich noch einiges. Ich freue mich, dass ich dich begeistern konnte - und hey, auf ein Buch mehr oder weniger kommt's dann doch auch nicht mehr an :P!