Lisa Sonnenschein
Endlich gibt es wieder Nachschub vom Großmeister der Skurrilität (gleich nach Terry Pratchett). Und im Nachwort erklärt der Autor seine Veröffentlichungspause sogar selbst. Für die Zusammenarbeit mit Lydia Rode, die unter dem Chronischen Fatigue Syndrom leidet, mussten andere Projekte erstmal ruhen. Die Berliner Illustratorin hat mit dieser Erstveröffentlichung eine unheimliche Leistung gebracht und etwas ganz Eigenes geschaffen - obwohl die Nähe zu den Zamonienromanen von Moers erkennbar bleibt.

Ebenfalls witzig: Neben dem Buch gibt es noch eine "Zeitschrift" zum Thema Schlaf dazu, in der Ausschnitte aus dem Roman amüsant aufbereitet werden.
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Prinzessin Dylia wird seit jeher von hartnäckiger Schlaflosigkeit geplagt. Bei allen negativen Nebenwirkungen, die das so mit sich bringt, hat sie aber auch nach den längsten schlaflosen Phasen die kreativsten Einfälle und verrücktesten Ideen. Doch eines Nachts begegnet ihr der Nachtmahr Havarius Opal und kündigt an, sie in Bälde in den Wahnsinn zu treiben. Er nimmt sie mit auf eine erstaunliche Reise in ihre eigenen Gedanken - und konfrontiert sie unter anderem mit Geistgeistern, Zergessern, Grillos und Irrschatten.

Nach den ersten vierzig Seiten war ich zugegeben tierisch enttäuscht von diesem Buch. Da gab es ewige Aufzählungen und Wortspielereien der Protagonistin, die nur teilweise im weiteren Verlauf des Buches wieder aufgegriffen wurden. Für einen Zamonien-Roman begegnen dem Leser hier auch erstaunlich wenige Wesen aus der Welt von Moers - überwiegend befinden wir uns in der Psyche von Prinzessin Dylia. Diese hat zwar immer wieder Moerssche Sonderlichkeiten zu verzeichnen, führt uns aber nicht tiefer nach Zamonien, wie ich es mir eigentlich gewünscht hatte.

Ich hatte das Gefühl, dieses Buch ist wie die persönliche Geschichte der Illustratorin aufgebaut. Moers reist als Nachtmahr mit ihr durch ihre eigenen Gedanken und man merkt, wie sich Moers mit Themen rund um Schlaf und Schlaflosigkeit und dem Gehirn an sich auseinandergesetzt hat. Wer aber "einen klassischen Moers" erwartet hat, der wird hier nicht voll auf seine Kosten kommen. Vielmehr bekommt der Leser eine Liebeserklärung an die junge Dame, die nicht weniger das Herz rührt.
Nach einem für mich eher langatmigen Einstieg nahm dann aber die Geschichte an Fahrt auf und auch wenn mich nicht alle Passagen packen konnten und ich nicht völlig hingerissen war, habe ich mich in der Handlung letztendlich doch wohlgefühlt. Die Illustrationen sind ein absoluter Traum (höhö). Sie entfernen sich nicht zu weit vom Altbekannten, bringen aber auch ihren ganz eigenen Stil mit ein, der dem Buch durchaus guttut.

Alles in allem ein Buch, von dem ich mehr erwartet hatte. Mit dem schwergängigen Einstieg und begrenztem Erlebnisraum gab es für mich zu viele Hemmnisse im Lesefluss, immer wieder musste ich das Buch an die Seite legen. Dennoch finden sich die typischen Wortspielereien des Autors und der leicht philosophische Hintergrund auch in diesem Zamonien-Roman von Walter Moers wieder. Als Intermezzo ist es also durchaus ein gut lesbares Buch...
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Walter Moers: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr. Erschienen am 28. August 2017 im Knaus Verlag. Kostenpunkt: 24,99€ als Hardcover.

1 Response
  1. Ich laufe ständig an diesem Buch vorbei :-D. Es sieht so toll aus. Durch deine Rezi weiß ich auch ein bisschen genauer, worum es geht. Super.

    Wirklich weise ist,
    wer mehr Träume in seiner Seele hat,
    als die Realität zerstören kann. - Indianisches Sprichwort -
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende mit viel Zeit zum Lesen und Träumen! lg Nadine von Nannis Welt!