Lisa Sonnenschein
Nachdem ich euch bei Facebook schon ganz schottisch angefixt hatte, habe ich es doch tatsächlich auch geschafft, mal das Rezensionsvideo zu Pia Guttensons Buch aufzunehmen. Ich bin der Autorin (damals!) auf der Leipziger Buchmesse begegnet und durfte ihr Buch entführen, das mich nach Schottland entführen durfte. Und von da aus ging es dann noch an ganz andere Orte...

Meine Videorezension beginnt bei Minute 3:20.


Isandora macht eine verdammt schwere Zeit durch - ihr Sohn ist verschwunden und ihr Leben inhaltslos geworden. Kurzerhand mietet sie sich in einer Pension in Schottland ein. Um zu sterben. Durch eine schicksalhafte Begegnung und ein geheimnisvolles steinernes Tor kommt jedoch alles anders als gedacht und Isa findet sich in einer Welt voller mystischer Wesen wieder. Elfen, Zwerge und schlurfende Moorguhls bevölkern eine Welt, die nicht ihre ist - oder doch?

Die Welt, die Pia Guttenson hier schafft, ist großartig! Eine epische Fantasywelt, wie ich sie liebe. Trotzdem bleibt der Bezug zur Gegenwart - nicht nur dadurch, dass Isa eben aus unserer Zeit stammt und kein mittelalterliches Weltbild mitbringt, sondern auch durch den guten Ian, den sie durch das Tor mitnimmt. Das Buch schafft dadurch einen leicht abgedrehten Spagat. Es ist einerseits eine Liebesklärung an Schottland, ein romantischer Liebesroman, wie er im Buche steht (höhö). Auf der anderen Seite wird der Leser aber auch in die besagte Highfantasywelt geworfen, die dann wieder ganz andere Storystränge verfolgt, als man sich das zuvor gedacht hat.

Das hat zur Folge, dass Tolkien-Liebhaber hier durch die romantischen Aspekte nicht auf ihre Kosten kommen und sich vermutlich über das ganze "schottische Klimbim" aufregen und die Schottlandverliebten, die sich auf eine Liebesgeschichte gefreut hatten, genervt von Zwergen und Elfen sind.
Für Genrespringer allerdings (und hier komme ich ins Spiel!) entwickelt das Buch genau dadurch seinen besonderen Reiz. Ich LIEBE die sprachlichen Ausflüge, die die Autorin hier ins schottische Gälisch macht und mein Hirn hatte beim gedanklichen Aussprechen der Ausdrücke für "mein Freund", "meine Liebste" oder "verdammt noch mal" seine helle Freude (für alle weniger sprachenthusiastischen Menschen gibt es aber auch ein Wörterbuch am Ende). Allein das und die Recherchearbeit für die historischen Hintergründe dieses Buches müssen ein unglaublicher Aufwand gewesen sein - interessierten Menschen kann ich da noch mal die Homepage der Autorin ans Herz legen.

Was mich dann aber doch geschafft hat? Die endlosen Turteleien zwischen zwei der Charaktere im Buch. Da war mir wirklich zu viel Schmalz und Klischee im Spiel und so manches Mal habe ich die Augen verdreht, weil die beiden sich mal wieder ein ruhiges Plätzchen gesucht haben... Vielleicht bin ich da einfach langweilig^^

Mein Fazit: Ein spannender Genremix! Für Fans der schottischen Kultur und Sprache und allen, die es werden wollen, kann ich hier eine klare Empfehlung aussprechen. Auch ich als unromantischer Stein mit Fantasyvorliebe habe das Buch sehr gerne gelesen ;).
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Pia Guttenson: Das steinerne Tor - Die Rückkehr. Erschienen am 11. September 2014 bei Create Space. Kostenpunkt: 14,90€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Dieses Buch wird wohl schon als Lektüre in der Schule eingesetzt - und verstehen kann ich's, die Geschichte ist lehrreich, ohne aufgesetzt zu wirken. Vielen Dank lieber Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar von diesem Buch.
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David und seine Clique sind genervt. Genervt von der Schule, genervt von ihren Eltern und genervt von ihrem Viertel, das ihnen von Tag zu Tag runtergekommener erscheint. Als ihnen beim Schule-Schwänzen ein kleines dunkelhäutiges Mädchen über den Weg läuft, das offensichtlich Läuse hat, ist klar: Dieses "Dreckstück" müssen sie entlausen!

Was mich an dem Buch so beeindruckt (und mitgenommen) hat, ist seine Einfachheit. Die Charakterkonstellation ist eine, die man auch aus der eigenen Schulzeit kennen könnte - ein strebsames Mädchen, die Extrovertierte, der Junge mit der neutralen Haltung allem gegenüber, was ihn nicht betrifft. Die Jugendlichen in diesem Buch haben durch ihre klischeehafte Zeichnung wenig Tiefgang (wie auch in einem 96-Seiten-Buch). Das ist aber auch nicht das, worauf es ankommt.

Vielmehr interessant für den Leser sind die gruppendynamischen Prozesse, die im Hintergrund der Handlung stehen. Keiner der Jugendlichen kann zu irgendeinem Zeitpunkt begründen, warum sie handeln wie sie handeln. Es gibt keine große Eskalation und niemand hat hier eine deutliche rechtsextreme Haltung. Im Gegenteil: Alle Charaktere kommen aus gutem Haus und hatten eine angenehme Kindheit. 
"Dreckstück" verdeutlicht gruselig authentisch, "wie schnell's gehen kann". Wie gleichgültig eine Gruppe von Menschen handeln kann, die sich gegenseitig in ihrer Gleichgültigkeit noch bestätigt. Als Leser möchte man gleichzeitig schreien ob der furchtbaren Ungerechtigkeit, die da passiert und kann gleichzeitig nicht so richtig mit dem Finger auf das deuten, was falsch läuft. Ein Effekt, der mich erst mal für zwei Tage grübelnd lahmgelegt hat.

Schade war, dass der Protagonist David (der neutrale Junge) einen Hang zur Selbstanalyse hat und ständig versucht, seine und die Handlungen der anderen in Beziehung zu einem Erlebnis aus der Vergangenheit zu setzen. Das war mir ein wenig zu viel und nicht ganz authentisch, weil es nicht so richtig zu ihm gepasst hat, aber vermutlich durch die Erzählform unausweichlich. Auch Floskeln wie "Die Zeitungen würden später xyz titeln" hatten für mich einen eher reißerischen Charakter und ich wäre gut ohne sie ausgekommen - ein bisschen haben sie die Authentizität des Buches verletzt.

Mein Fazit: Ein sehr beeindruckendes Buch, das durch einen einfachen Sprachstil besticht. Wer einen reißerischen Teenager-Roman sucht, ist hier an der falschen Adresse, wer es atmosphärisch mag und sich gerne auf Gruppenprozesse einlassen mag (à la "Die Welle"), der sollte hier mal reinlesen.
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Clémentine Beauvais: Dreckstück. Erschienen am 30. Juni im Carlsen Verlag. Kostenpunkt: 5,99€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Mädels! Das ist ein Buch für euch - wenn ihr euch mies fühlt, wenn ihr glaubt, grade stürzt alles Unrecht dieser Welt auf euch ein... Lest dieses Buch! Es ist so ein richtiges Beste-Freundinnen-Mama-Tochter-Ding.

Aber wir fangen mal vorne an. Meine Videorezension zu dem Buch beginnt bei Minute 4:53.


Im Klappentext bezeichnet sich das wunderhübsch illustrierte Buch ausdrücklich als "Nicht-Ratgeber". Die Frage ist aber - was ist es denn dann? Was man hier bekommt, sind kleine Liebe-dich-selbst-Lektionen für jeden Tag, oder auch mal über eine Woche oder mehr hinweg. Ausgelegt ist das Buch für Frauen mit Trennungsschmerz, aber auch ohne Liebeskummer kann Frau (so wie ich) hier eine ganze Menge über sich selbst lernen!

Das Buch ist dabei nicht idealistisch ausgelegt - es gibt auch Rückschläge, Tage, an denen man einfach nur leiden will. Die Lösung ist mal ein "Reiß dich zusammen, mach dies oder jenes" und mal ein "Trink ein Gläschen Wein und bemitleide dich selber". Durch außergewöhnliche, aber nie völlig verrückte Handlungsaufforderungen kommt man in die Verlegenheit, Dinge zu tun, die einem im eigenen Alltag sonst nie in den Sinn gekommen wären (Nimm Fotos von dir selbst auf, melde dich auf dem Internetportal xyz an, geh schöne Unterwäsche kaufen - nur für dich selbst!). Das Ziel ist nicht, einen tollen Partner zu finden oder nie wieder dem Ex oder der tollen Figur von damals hinterherzutrauern, sondern sich selbst einfach mal wieder toll zu finden, mal wieder Schwung reinzubringen und durch einen kleinen Schubs ganz viel positive Selbstwahrnehmung zu tanken. Und das klappt!

Mal im ernst - natürlich passt nicht jede "Lektion" in jeden meiner Tage - klar kommt auch mal eine Rückschlags-seite, wenn ich mich grade richtig gut finde, aber hey! Überblättern, nächste Seite - oder den Tag davor einfach noch mal durchziehen :) Hier wird nicht einem Kalender gefolgt, sondern ein bisschen der imaginären besten Freundin. Die hat übrigens eine ziemlich spitze Zunge - der Sprachwitz in dem Buch ist grandios (Lieblingswort: Hupsikalupsi - hat sich in meinem Alltag auch schon eingeschlichen) und wer nicht diese eine paradiesvogelige Freundin hat, die immer diese dezent anstrengenden Veranstaltungstipps außerhalb der eigenen Komfortzone gibt, findet sie hier!

So - jetzt habe ich irgendwie eine kleine Werbeanzeige statt einer Rezension für das Buch geschrieben, das hat es aber auch wirklich verdient^^. Ich kann diese kleine Alltagsflucht jeder empfehlen und meine Mutter hat mir am Telefon direkt drei ihrer Freundinnen genannt, die das gute Stück jetzt wohl demnächst im Briefkasten haben werden :D!

Macht's euch schön, ihr seid es wert!
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Alessandra Muni: Liebeskummer ciao! Phönix-Style. Erschienen am 10. März 2017 im Phönix-Style Verlag. Kostenpunkt: 28,50€ als Hardcover.