Lisa Sonnenschein
Auch dieses Buch hat mich wieder über die "Aktion Bücherflüsterer" von buecher.de erreicht. Ich glaube, so allein in der Buchhandlung hätte ich nie dazu gegriffen...

Meine Videorezension dazu beginnt gleich am Anfang des Videos.



Kate und ihr Bruder waren eigentlich schon immer, spätestens aber seit dem Verschwinden ihrer Mutter, ein Herz und eine Seele. Umso irritierter ist Kate, als Gabe eines Tages einfach seine Sachen packt, sein Leben zurücklässt und mit drei mysteriösen Männern ein Boot betreten und davonfahren will. Kurzerhand beschließt sie, ihn heimlich als blinde Passagierin zu begleiten und stürzt sich so Hals über Kopf in ein fantastisches Abenteuer.

Okay - vorweg: Der Klappentext des Buches geht noch etwas über meine kleine Inhaltsangabe hinaus und man erreicht diese Stelle im Buch dann etwa auf Seite 150 (von 500). Vielleicht ist auch dieser Umstand dafür verantwortlich, dass ich den Verlauf der Geschichte unheimlich langatmig fand und das Buch immer wieder an die Seite legen musste. Vermutlich war das allerdings auch eine nötige Vorwegnahme, damit man überhaupt versteht, dass das Buch dem Fantasygenre zuzuordnen und kein Abenteuerroman ist. Wirklich in Fahrt kommt die Handlung auf jeden Fall erst auf den letzten Seiten würde ich sagen.

Kate ist eigentlich eine sympathische (wenn auch recht klischeehafte, weil typische verunsicherte, pubertierende 17-jährige) Protagonistin, die - warum auch immer - sehr an ihrem Bruder hängt. Sie handelt aus diesem Grund auch mal übereilt und unüberlegt. Das ist es aber nicht, was mich gestört hat. Vielmehr waren das Gabes völlig unlogische Entscheidungen, die auch trotz verzweifeltem Versuch ganz am Ende des Buches für mich nicht nachvollziehbar erklärt wurden. Der eigentliche Grund für das ganze Abenteuer hier wird also dadurch hinfällig, dass Gabe eigentlich keine wirkliche Erklärung für sein Aufbrechen hat und ohnehin immer wieder Entscheidungen der Art "Ich muss meiner Schwester jetzt Schwierigkeiten machen, damit es spannend bleibt" trifft...

Dazu kam dann noch, dass der fantastische Hintergrund des Buches (Einfluss schottischer Mythologie) zwar immer wieder angedeutet und auch andere Wesen als die Selkies angesprochen werden, jedoch dann nie auftauchen. Was ist mit den Elfen, Meerjungfrauen, Kobolden...? Es wäre wirklich klasse gewesen, da noch ein bisschen mehr Schottland-Sehnsucht zu schaffen - der Mythos um die Selkie, die sich durch ihr Fell in Seerobben verwandeln können, ist nämlich meiner Auffassung nach wirklich gut recherchiert.

Das Ende des Buches lässt vermuten, dass da noch ein Roman hinterher kommt, einige Fragen sind da durchaus noch offen - ich habe für mich allerdings schon entschieden, dass ich persönlich sie nicht im Rahmen des nächsten Bandes enträtseln will...
Das Buch ist ein netter Jugendroman mit einigen Mankos. Sprachlich ist "Selkie" aber in Ordnung und macht auch definitiv Lust auf den Urlaub am Meer. Leider fehlt für mich zu viel, um es wirklich empfehlen zu können, das Buch war wohl einfach nicht meins...
____________________



Antonia Neumayer: Selkie. Erschienen am 10. April 2017 im Heyne Verlag. Kostenpunkt: 12,99€ broschiert.
Labels: edit post