Lisa Sonnenschein
Die ewige Frage, mit der wir Germanistikstudenten (oder Geisteswissenschaftler generell) uns ständig rumprügeln müssen, ist die folgende "Und was macht man dann damit?"
Ich höre diese Frage jetzt seit fünf Jahren, mindestens einmal zu Weihnachten, wenn sich die Familie auf den neuesten Stand bringt, und bin froh, sie endlich beantworten zu können - jetzt muss ich nur noch erklären, wie ich darauf gekommen bin (was mir wesentlich lieber ist).
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Das Verlagswesen ist für uns ein ziemlich populärer Berufszweig, zusammen mit "irgendwas mit Marketing" und "Erwachsenenbildung/Sprachunterricht" war es immer meine Nummer-eins-Antwort auf die obige Frage. Tatsächlich Formen angenommen hat das aber erst, als ich a) den Entschluss gefasst habe, meinen eigenen kleinen Blog zu schreiben und b) immer wieder Korrekturen von Hausarbeiten oder Schreibprojekten von Freunden bei mir landeten. Den Anfang hat da mal wieder meine Nicky mit ihrer "Noel&Noelle"-Reihe gebildet (wer mehr zu genauen Abläufen einer solchen Korrektur lesen will, folge diesem Link).

Ich wurde aktiver in der "Buchszene" - auch andere Autoren kamen auf mich zu und ich konnte mal anderen Schreiberlingen in die Buchstaben gucken als nur meiner Freundin Nicky (Dank an dieser Stelle an Michelle Parker und Sandra Öhl!). In einem meiner Uniseminare startete ich eine Projektarbeit mit einem Kommilitonen, der mit einer Gruppe von Studenten selbst einen kleinen Verlag gegründet hatte, den wunderbaren kladde|buchverlag. Schnell stellte sich raus: Die Jungs und Mädels suchten noch nach einer Korrektorin...

Der Gipfel war dann die Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr - beim Schlendern zwischen den Ständen der Fachliteratur kam ich ins Gespräch mit einer Dame, die den Stand eines Fachverlages für philosophische und sprachwissenschaftliche Literatur betreute. Wir stellten fest, dass wir dasselbe studiert hatten und sie fragte mich ganz rundheraus, ob ich nicht Lust auf ein Praktikum bei ihnen hätte. Nachdem ich ihr von zu Hause aus meine Bewerbungsunterlagen zugeschickt hatte, meldete sich der Verlagsleiter bald bei mir und auf der Leipziger Buchmesse hatte ich ein abendlich-gemütliches Vorstellungsgespräch...
Jetzt habe ich eine Zusage für ein Volontariat im Bereich Lektorat in Hamburg und hoffe darauf, von dort aus meinen Weg weiter gehen zu können. 

Und angefangen hat alles mit einem "Lisa, du bist doch Germanistin - kannst du hier mal drüberlesen?"
3 Responses
  1. Emma Says:

    Dieser Moment, wenn ich das Gefühl bekomme, im falschen Studienfach gelandet zu sein. Ich finde es wahnsinnig schön, dass sich die Liebe zur Literatur und der Sprache wirklich "überall" zeigt und du auch noch in deiner Freizeit einen Buchblog betreibst, bzw. Bücherstammtische besuchst :-)
    Das absolut einzig Traurige an der Geschichte ist, dass Hamburg so weit weg ist.
    Ich fang schon mal an mit Brücken bauen :)
    viele Grüße
    Emma


  2. Hallo Lisa,
    sehr interessant – und wie schön, dass du dein Hobby auch zum Beruf machen konntest.
    Ich hab, nach einigen Irrwegen, auch mit dem geschriebenen Wort zu tun: Ich bin technische Redakteurin und schreibe Handbücher. Also ein komplett anderes Genre. Aber wenn ich auch privat etwas lese, möchte ich auch immer korrigieren :D

    Deinen Beitrag hab ich auf meiner Wanderung durch die Welt der Bücherblogs geteilt.
    Grüße - Daniela


  3. Hey Lisa,

    das freut mich ja für dich :D
    Hoffentlich wird das Volo auch gut bezahlt? Das ist ja immer so die Sache in unserer Branche. Witzig, dass man immer über Zufälle im Verlagswesen zu landen scheint. So bin ich Übersetzerin geworden XD

    Liebe Grüße
    und hoffentlich sieht frau sich bald