Lisa Sonnenschein
Dieses Buch ist anders. Es erzählt eine Geschichte, aber nicht nur mit Worten - einen Großteil der Erzählung bilden Zeichnungen, handschriftliche Notizen, Sticker und Kritzeleien. Und noch etwas ist anders. Die Autorin ist eine populäre Youtuberin. Ich persönlich hatte ihren Namen nie zuvor gehört und war etwas überrascht, als ich auf ihren Youtube-Kanal "kitthey" gestoßen bin.

In "Vergessene Kinder" geht es hauptsächlich um Pia. Pia hat, nachdem ihr bester Freund Momo sich umgebracht hat, das Leben satt und kann mit der Trauer, die sie empfindet, nicht umgehen. Als sie Tom trifft, merken die beiden Außenseiter ziemlich schnell, dass sie sich sehr gut ergänzen und Pia sieht, dass sie auch selbst jemand ist und sich nicht verstellen muss, um bei sich selbst anzukommen.

Die Autorin hat das Buch mit 16 Jahren geschrieben. Das merkt man - der Schreibstil ist schlicht, die Erfahrungsberichte von Pia und besonders ihre handschriftlichen Tagebucheinträge sind sehr theatralisch gehalten. Hatten wir nicht alle diese Phase, in der das Leben keinen Sinn hatte (bei mir war das übrigens die Linkin Park - Phase^^)? 
Eine wirklich tiefgründige Handlung lässt das Buch dabei vermissen - es besteht hauptsächlich aus den emotionalen Ergüssen der Protagonistin, der Sinneswandel erfolgt abrupt und für mich wenig nachvollziehbar.

Wenn ihr Lust habt, euch ein eigenes Bild zu machen, könnt ihr euch hier einige Zeilen des Buches anhören (von der Autorin selbst vorgelesen):


Ich kann mir vorstellen, dass das Buch bei jüngeren Lesern um die 16 extrem gut ankommt, weil es ihnen aus der Seele spricht, weil es sich um eine Protagonistin dreht, die auf Sinnsuche ist, die sich auch ein Stück weit selbst ausprobiert. Es geht unter anderem auch um Drogenkonsum, um emotionale Abhängigkeit, um Essstörungen - alles allerdings zu wenig überzeugend transportiert, als dass ich es der Autorin abnehmen würde. Das ist besonders bei dieser sensiblen Thematik nicht unproblematisch.

Um jedoch fair zu bleiben: Die Gestaltung des Buches hat mich wirklich umgehauen. Die Skizzen zwischen dem Text (teilweise wird Text überdeckt, was das ganze für mich noch authentischer Tagebuch-artig macht) zeugen von großartigem zeichnerischem Können, die Sticker passen in Pias Lebenswelt und die vielen kleinen Details - Songempfehlungen je nach Stimmung, angepasst lokalisierte Seitenzahlen - machen das Buch zu einem totalen Hingucker. Meinen Respekt an den Verlag, dass sich das Team auf so ein Experiment eingelassen hat.

Inhaltlich habe ich mich allerdings leider geärgert, auf die Werbungsmaschinerie einer der großen Youtuberinnen hereingefallen zu sein. Schade, die Idee war wirklich grandios.
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Luna Darko: Vergessene Kinder. Erschienen am 16. März 2017 bei Community Editions (Bastei Lübbe). Kostenpunkt: 12,00€ als Taschenbuch.