Lisa Sonnenschein
Heute machen wir mal was Verrücktes - zusammen mit Rebecca vom Buchblog Book"tea"ser habe ich an einer Geschichte geschrieben. Dafür habt ihr auf Facebook die Begriffe vorgegeben. Und das Ergebnis könnt ihr hier nachlesen - viel Spaß!

Teil 1 (geschrieben von Lisa, gepostet hier)


Sie schaffte es noch nicht, ihre Augen zu öffnen – dazu war das Licht, das durch die halb-durchsichtigen Gardinen fiel, noch zu aufdringlich. Ein Stöhnen erfüllte ihr Schlafzimmer, ihre Zunge fühlte sich pelzig an. Das war dann wohl einer zu viel gewesen gestern.
Sie schaffte es irgendwie, einen Arm zu heben und auf dem Nachttisch (war der schon immer so hoch gewesen?) nach ihrem Handy zu tasten. Als sie mit den Fingerspitzen an etwas stieß und es rumpelte, entfuhr ihr ein undamenhafter Fluch. Sofort bereute sie diesen Ausbruch. Ihr Kopf schrillte, von überallher schienen Geräusche auf sie einzustürzen. In der Wohnung über ihr plärrte ein Kleinkind, die kaputte Waschmaschinentrommel in der Rentnerbehausung nebenan hämmerte ihr im Schleudergang die Eindrücke von gestern Nacht ins Bewusstsein. Wozu war sie noch mal dort gewesen? Ein neuer Auftrag? 

Ächzend richtete sie sich auf und starrte auf das Streichholzschächtelchen, das auf dem Boden neben ihrem Bett lag. Er hatte seine Nummer darauf notiert. Sie würde ihn anrufen müssen. Und dabei hatte sie doch in den Ruhestand gehen wollen. Schon vor dreizehn Aufträgen, als sie noch nicht von zwei Margaritas und einem Glas Weißwein einen tierischen Kater bekommen hatte.

Aber John hatte sie doch immer wieder rumbekommen. John Smith – das war nicht sein richtiger Name, das wusste sie. Aber er erinnerte sie an die Zeit, als sie ihn kennengelernt hatte, als sie noch beeindruckt von ihm gewesen war, weil er so erfahren gewirkt hatte, weil er einen sauteuren Anzug getragen und geschwollen dahergeschwafelt hatte. Heilige Scheiße, war sie naiv gewesen. Ein naives, junges Ding – mitten im Jurastudium. Sie musste so 25 gewesen sein, als sie noch die Muße gehabt hatte, stundenlang in ihren Seminaren über Steuervergünstigungsabbaugesetze und all den überflüssigen Kram zu diskutieren. Jetzt, mit 67, hatte sie anderes zu tun. 
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Teil 2 (geschrieben von Lisa)

Sie schwang ihre Beine über die Bettkante und fühlte sich eingerostet. „Gut, den einen Auftrag noch und dann kann dich die Welt mal kreuzweise, altes Mädchen“, murmelte sie vor sich hin und schaffte es nach zwei Anläufen, das Streichholzschächtelchen mit Johns Nummer aufzuheben. Was hatte er jetzt wieder mit ihr vor? Sie schlurfte in die Küche und versetzte dem Wasserkocher einen Schlag auf den Deckel. Das blöde Ding würde sonst nie auf Touren kommen – da waren sie sich irgendwie ähnlich. „Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen“, hatte ihr alter Herr immer gesagt. Aber er hatte auch gesagt, dass das Wort „Schlag“ nur ein diffuses Produkt der Auslautverhärtung ist und dass ihm das ja mehr wehtäte, als ihr. Sie hatte nie verstanden, was das bedeutete, aber sie hatte verstanden, was Schläge sind. 

Grummelnd entschloss sie sich, es hinter sich zu bringen und die Nummer anzurufen. Während sie ihr Handy zwischen Ohr und Schulter einklemmte und sich das heiße Wasser in ihre Teetasse goss, tutete es dreimal in der Leitung. Eine Stimme meldete sich und knarzte undeutlich in den Hörer: „Animal Crossing New Leaf“. Sie riss die Augen auf, das Handy fiel zu Boden. Es war ihr egal. Sie wusste, was das hieß. Bewegung kam in sie, sie warf sich ein Minikleid über, das so gar nicht zu ihrer Altersgruppe passte, durchwühlte die kleine Kommode im Schlafzimmer, bis sie die Kopfschmerztabletten gefunden hatte, warf sich zwei davon ein. Hektisch griff sie nach ihrer Handtasche, in der sie immer ihre alte Gefährtin Betty – eine Glock 17 aus den 80er Jahren – mit sich herumtrug und stürmte aus der Wohnung.
Der Tee dampfte einsam auf dem Küchentresen vor sich hin.
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Teil 3 (geschrieben von Rebecca)


Als sie das Haus verlassen hatte, kam ihr in den Sinn, dass sie den Tee auf dem Küchentresen vergessen hatte. Sie dachte sich nur: „Ach, was für ein Dussel ich wieder bin.“ Als sie in ihrem ungewohnten Kleid an der Donaudampfschifffahrtskapitänsgesellschaft ankam, wartete John ungeduldig auf sie. Er fragte sie, wo sie denn gewesen war und wieso sie zu spät kam. Sie gab nur leise zur Antwort, dass sie keine Ahnung mehr von gestern hatte und sie den Termin heute vergessen hatte, bis sie die Nummer auf dem Streichholzschächtelchen gesehen und die Nummer  gewählt hatte und ihr dann alles wieder in den Sinn kam. Er runzelte nur die Stirn und sagte mit erhobener Stimme: „Jetzt bist du ja hier.“ 

Als sie sich dann zum Museum hinbegaben und sich geschäftlich alles begutachteten, kamen sie an einem Dinosaurier vorbei, der einen Dinosaurieroberschenkelknochensollbruchverband trug und dabei entdeckte John einen Zettel. Ob das ein Hinweis auf ihre geheime Mission war? Er nahm ihn und zeigte ihn Rosalia. Sie öffnete den Zettel, der gefaltet war, und las ihn durch und sagte zu John: „Das ist der Hinweis! Komm, wir sollten gehen, bevor es dann zu spät ist und wir es nicht mehr schaffen, ihn rechtzeitig zu fangen.“ 
Als sie unterwegs zum Auto waren, fragte sie, was das denn alles zu bedeuten hätte, wieso sie den Spuren folgen müssten und keine Ahnung hatten, um was es denn genau gehe. John erwiderte nur: „Das ist der Auftrag vom Chef.“ Sie nahmen das Auto von Rosalia, da sie ein kleines, unauffälliges fuhr. Angekommen am Ziel, nahm sie nochmals den Zettel und sagte: „Ja, hier müsste es sein.“ Die beiden gingen in das Gebäude rein, als sie den mutmaßlichen Täter sahen. Als sie auf ihn zugingen sahen sie, dass es nur ihr Chef war, der auf die beiden wartete. „Ach, Sie haben es geschafft, hierher zu finden, wie schön!“, sagte der Chef als Rosalia und John mit offenem Mund dastanden. John sagte: „Aber was hat denn das alles zu bedeuten?“ Der Chef, der seinen Namen nie sagte, hatte nur gesagt: „Das erfahrt ihr schon noch. Jetzt müsst ihr aber los!“ 
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Er zeigte auf der Landkarte auf ein Dorf. „Da müsst ihr hin – in 24 Stunden müsst ihr da sein und ihn fangen.“ Als die beiden etwas erwidern wollten, war der Chef schon weg. „Nun gut, dann gehen wir“, sagte Rosalia. Als sie unterwegs waren, hatten sie Hunger und hielten an einer Raststätte an, um zu essen. John sagte: „Es sind nur noch zwei Stunden Fahrt, dann haben wir es geschafft! Hoffen wir, wir finden ihn dann.“ Rosalia ging noch kurz auf das Klo, bevor sie abfuhren. Sie entdeckte im Gebüsch was Komisches und ging näher ran. Als sie sah, dass es ein Einhorn war, erschrak sie. Sie rieb sich die Augen und dachte sich: „Ich kann mir das nur einbilden.“ Doch das Einhorn sagte: „Nein,  ich bin  wirklich hier, ich heiße Fredius und bin hier, um dir zu helfen.“ Rosalia schaut es verdutzt an und sagte: „Bei was helfen?“ „Du musst hier weg, John will dich dem Sparschweinmörder ausliefern, das gehört zum Plan deines Chefs, du musst hier weg!“, sagte Fredius. Sie sagte: „Ja wie soll ich denn einfach verschwinden?“ „Ich verwandle dich in eine junge, hübsche Prinzessin. Los, nimm meinen Glitzerstaub und streu ihn über dich – du bekommst noch magische Kräfte, um die auszulöschen, die das immer wieder mit der älteren Generation machen.“ „Ok gut, Fredius“, sagte Rosalia und machte es, wie zuvor gesagt wurde. Schwubidum und kniersch erklang. Rosalia war eine junge, hübsche Prinzessin und war noch nie so fit. Sie bedankte sich und wollte gehen, als Fredius noch sagte: „Warte, du hast dein Krönchen vergessen!“ Sie setzte es auf und bedankte sich noch mal und ging zum Auto. Sie startete das Auto und ging ohne John weiter, denn sie kannte den Weg.

Angekommen nahm sie all ihren Mut zusammen und sagte irgendeinen Spruch auf, den Fredius ihr zuvor gesagt hatte. Der Sparschweinmörder – so nannten sie ihn, weil er alle Sparschweine von den älteren Leuten nahm, die er zum Opfer nahm, und sie killte. Als Rosalia den Zauberspruch aussprach, wurde er zu einem Frosch und quakte herum. Sie war so froh, dass alles zu Ende war, und da kam ihr John in den Sinn. Was wohl mit ihm geschehen war, denn Fredius wollte sich um ihn kümmern. „Naja, zumindest geht es mir gut und ich kann wohlbehalten heim und mein Rentnerleben genießen!“ Denn Fredius hatte gesagt, dass der Zauber morgen verschwunden sein würde und Rosalia in ihr altes Leben zurückkehren würde.

Ende