Lisa Sonnenschein
Auf dieses Buch gestoßen bin ich durch die Aussage "ein packender psychologischer Thriller für alle Fans von Gone Girl [...]." 
Ich fand "Gone Girl" einfach durch die Wendungen darin ganz famos und wollte mich darum auch an diesem Buch versuchen.
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Leah führt ein zurückgezogenes Leben, meidet den Kontakt zu Menschen, lebt eigentlich nur für ihre Arbeit in der Bibliothek und hat ein finsteres Geheimnis. Ihr mühsam zusammengebautes Kartenhaus droht jedoch in sich zusammenzustürzen, als sie an diesem einen, ganz besonderen Jahrestag eine Karte im Briefkasten hat. Darin nur ein kurzer Kommentar und ihr Name...

Ich bin mir nicht sicher, ob sich das Buch überhaupt als Thriller einordnen lässt. Die Handlung verläuft sehr ruhig und man ist eigentlich mehr durch das Rätselraten gepackt, als durch greifbare Spannung. Der eigentliche "Thriller" verläuft nämlich, wie oben bereits angedeutet, auf psychologischer Ebene. 

Leider äußert sich das in der ersten Hälfte des Buches durch die ewigen Textpassagen der Art "Wenn er/sie/es mein Geheimnis kennen würde, würde er/sie/es mich hassen", "Aber durch meine finstere Vergangenheit kann ich es mir nicht leisten, xyz zu machen" oder "Wie kann ich überhaupt xyz, wenn ich doch der schlechteste Mensch auf der Welt bin". 
Es ist legitim, das finstere Geheimnis der Protagonistin vorerst geheim zu halten, das geht jedoch meiner Auffassung nach auch eleganter. Zwischenzeitlich ist mir Leahs Geheimniskrämerei und ihr Selbstmitleid wirklich auf die Nerven gegangen.

Gelungen fand ich dagegen die Zeitsprünge in Leahs Vergangenheit (unterteilt nach Kapiteln), das hat dann schon eher Spannung aufgebaut und ließ mich gerne mal "nur noch das eine Kapitel" lesen. Auch der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und ich fand es so gar nicht schlimm, dass die Handlung eher leise verlief und weder wilde Verfolgungsjagden noch blutige Kämpfe darin vorkamen. Das war dann doch wieder sehr "Gone Girl".

Abschließend: Mal was anderes! Das Buch spielt auf einer ganz anderen Ebene, als der klassische Psychothriller und das mochte ich. Leider konnte ich die Handlungen der Protagonistin stellenweise nicht nachvollziehen und sehr, sehr schade war auch, dass ich die Auflösung am Ende schon riechen konnte, als Leahs düsteres Geheimnis noch gar nicht aufgedeckt war (geschweige denn ihr Verfolger). Dabei schreibt die Autorin im Nachwort sogar ganz sympathisch, dass sie hofft, mich mit den Wendungen des Buches überrascht zu haben. Ein schön geschriebenes Buch, das mich leider nicht vollends überzeugen konnte.
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Kathryn Croft: Girl With No Past. Erschienen am 16. Februar 2017 im INK-Verlag. Kostenpunkt: 15,00€ broschiert.