Lisa Sonnenschein
Hier haben wir mal wieder einen Reihenauftakt! Diesmal aber einer der etwas anderen Art, Lisa-mäßig ;)
Ich habe bisher keinerlei Kontakt zum Genre "Steampunk" gehabt (von diversen modischen Irrgängen mal abgesehen *räusper*) und war vielleicht auch aus diesem Grund ein bisschen hin und her gerissen zwischen völliger Begeisterung und dezenter Überforderung.

Meine Videorezension dazu beginnt bei Minute 4:41.



Einen Protagonisten kann ich für dieses Buch gar nicht so richtig benennen. Vielmehr sind wir gleich mit einer ganzen Gruppe ganz spezieller Persönlichkeiten unterwegs im London des Jahres 1887. Unsere Gruppe findet sich zusammen, weil Victor Berlington seine verstorbenen Eltern des nachts immer häufiger bei sich im Schlafzimmer antrifft - als Geister. Und dann kommt alles Schlag auf Schlag...

Das Buch will von Anfang an sehr viel auf einmal. So hatte ich Probleme, mich in die einzelnen Charaktere einzufühlen und zu verstehen, wo die Handlung jetzt eigentlich genau hin will. Bekämpfen wir Geister? Suchen wir zwei vermisste Freunde? Müssen wir uns im viktorianischen London zurechtfinden? Geht es vielleicht doch um die zwischenmenschliche Ebene und uns erwartet eine Liebesgeschichte? Die Antwort ist: ja. Es wird viel hin und her gesprungen zwischen Erzählperspektiven und Handlungssträngen, teilweise wird die so stimmig aufgebaute Atmosphäre gar nicht als Stärke des Romans ausgespielt.
Das Buch ist ein Reihenauftakt, die Autorin MUSS hier also ihre Charaktere einführen und uns eine Welt präsentieren, in die es sich zurückzukehren lohnt - das ist zugegeben im Rahmen eines 270-Seiten-Buches nicht ganz ohne.

Als ich mich dann zurechtgefunden hatte, habe ich mich auch wirklich in jede einzelne der Figuren verliebt! Wie sie gemeinsam agieren, sich verständigen und trotzdem jeder seine eigene Hintergrundgeschichte mitbringt, ist wirklich ein vielschichtiger, fesselnder Aspekt dieser Handlung und ich bin gespannt auf mehr. Was ich auch ganz großartig fand, waren die Horror-Elemente, die immer wieder aufkamen - und da waren die Eltern von Berlington noch ein wahrer Segen ;). Die Geschichte ist an den richtigen Stellen wirklich unheimlich atmosphärisch geschrieben, ich kann mir vorstellen, dass die Reihe damit in den Folgebänden noch so einiges an Suchtpotenzial aufbauen kann.

Für mich war auch der Ausflug in die homo-erotische Romantik-Ecke etwas ganz Neues. Was mich am Anfang noch völlig begeisterte (Uh, homosexuelle Neigungen im viktorianischen Großbritannien, das kann tödlich enden!), wirkte mir nach dem dritten derart zusammengestellten Pärchen dann doch etwas gezwungen. Da hätte mir dann doch die eine Liebesgeschichte gereicht. Allgemein gehen die Protagonisten sehr offen mit ihren Gefühlen um, oft wird nach wenigen gewechselten Sätzen geduzt. Es wird zwar erwähnt, dass das eher ungewöhnlich ist - für eine Zeit, in der Kinder sogar ihre Eltern siezen, finde ich diesen Ausdruck allerdings eher untertrieben.

Alles in Allem haben wir hier einen spannenden Reihenauftakt, der mehr erwarten lässt. Bis hierher ist einfach unheimlich viel Genretypisches und viel Handlung in wenigen Buchseiten verpackt. Ich werde trotz der Kritikpunkte, die ich hier angemerkt habe, die Arbeit der Autorin weiterverfolgen, auch weil sie hier eine absolut zauberhafte Facebookseite unterhält und mit Fakten über den Steampunk aufwartet. Diese Buchreihe ist wirklich etwas Besonderes!
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Amalia Zeichnerin - Anderswelt, Berlingtons Geisterjäger 1. Erschienen am 5. Dezember 2016 bei CreateSpace. Kostenpunkt: 10,00€ als Taschenbuch.
2 Responses
  1. Amalia Zeichnerin Says:

    Das Buch ist übrigens auch als E-Book erhältlich bei Amazon, für 2,99 €.


  2. Danke auch für die Rezension, ich habe mich sehr gefreut :) Und yeah, meine erste Videorezension!