Lisa Sonnenschein
Ich schätze, bei diesem Buch bin ich euch eine kleine Vorgeschichte schuldig. Ich bin kein Freund der kitschigen Liebesgeschichte und das Einzige, das ich noch schlimmer finde, ist knisternde Erotik in Büchern. Das Buch hier (dessen Klappentext beides erahnen lässt) war für mich ein Experiment.

J.R.Ward hat mit der "Black Dagger"-Reihe von sich Reden gemacht. Weil die so gar nicht meinen Lesegeschmack getroffen hat, dachte ich wage mich mal an dieses Buch und finde heraus, ob die gute Frau mich vielleicht mit einem anderen Genre überzeugen kann.
Sie kann.
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Die eigentliche Protagonistin dieses Buches ist die Familie Bradford. Diese hat sich über Generationen ein Imperium in der Herstellung und dem Handel mit Whiskey, pardon, Bourbon aufgebaut. Dabei ist schwer zu sagen, welches der Familienmitglieder nun eigentlich im Fokus steht - Sympathieträger ist zweifellos der junge "Playboy" Lane, und dann ist da ja auch noch die angestellte Landschaftsgärtnerin Lizzie, die ihn schon immer magisch angezogen hat.

Was erstmal wie die klischeehafte Liebesgeschichte zwischen reichem Bad Boy und Mauerblümchen klingt, entwickelt sich schnell viel weiter und bekommt schon fast eine politisch-kriminalistische Dimension. Das allerdings erst in der zweiten Hälfte des Buches. Der erste Teil fällt wohl dem Umstand zum Opfer, dass der Leser hier wahnsinnig viele Charaktere kennenlernen und ihre Hintergrundgeschichten verstehen muss. Dann geht es allerdings wirklich rund!

Da werden richtig fiese Familiengeheimnisse aufgedeckt und die Bradford-Geschwister, deren einzige Aufgabe es bisher eigentlich war, ihren Reichtum zu genießen, kommen in arge Schwierigkeiten (und nicht nur finanzieller Art). Dabei kommt es - gerade, wenn man sich mit der letzten Katastrophe angefreundet hat - einfach noch dicker. Und das macht Spaß! Weil man anfängt, mitzurätseln. Weil man die oberflächlich glitzernde Welt dieser armen Reichen zu hinterfragen beginnt.
Die Ebene "Lane liebt Lizzie" geht dabei nicht ganz verloren, spielt aber auch keine vordergründige Rolle, was ich sehr angenehm fand.

Ein bisschen schade allerdings: Die Charaktere in diesem Buch sind doch sehr stereotyp. Wir befinden uns in der Welt der Schönen und Reichen, was offenbar bedeutet, dass man bei einem Charakter von Format (wie Lizzie) wohl jedesmal betonen muss, was sie doch für stramme Waden und feste Oberarme hat. Weil sie ja nicht der Norm entspricht. Weil sie ja nicht schön und reich ist. Gnmpf. Auch Lanes jüngere Schwester spielt bei diesem Klischeepoker ganz vorne mit und schläft so ziemlich mit jedem Mann, der einem so im Laufe der Handlung begegnet.

Alles in Allem hat mich dieses Buch allerdings wirklich überrascht! Mit einer spannenden Handlung und einem sehr angenehmen Schreibstil - nicht abgehoben, aber auch nicht übertrieben vulgär - hat es mich doch sehr gefesselt.
Ich kann mir vorstellen, dass uns hier in den Folgebänden noch so einige spannende Wendungen erwarten und werde auf jeden Fall dranbleiben!
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J.R.Ward: Bourbon Kings. Erschienen am 3. Januar 2017 im Lyx-Verlag. Kostenpunkt: 12,90€ broschiert.
1 Response
  1. Ich glaube wenn es dich überzeugt hat könnte es auch was für mich sein :D Du weißt ja Liebesgeschicht urrgh :D
    Ladet mal auf der Wuli