Lisa Sonnenschein
Bevor ich irgendetwas Anderes sage - vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar.
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Sara befindet sich an einem Tiefpunkt ihres Lebens. Ihr Job macht sie unglücklich, ihre Beziehung läuft nicht mehr so richtig und sie ist eigentlich ständig im Dauerstress...
Alles ändert sich, als Sibila, eine sprechende Abessinierkatze, auftaucht und ihr beibringt, wie man sein Leben lebenswert wie das einer Katze macht.

Ich lese ja sonst sehr gerne mal Bücher, die einem etwas über das Leben und wie man es NICHT machen sollte, beibringen wollen^^ (Die Glücklichen oder die Krankheitensammlerin). Dieses hier hat es für mich allerdings zu sehr auf die Spitze getrieben.

Da wird versucht, weise Ratschläge zu geben und an entsprechender Stelle eine Sprache zu verwenden, die fast biblisch anmutet - gleichzeitig finden sich aber unglaublich simpel gestrickte Textpassagen (die auch viel besser zur Leichtigkeit des Buches passen). Das mag eine Schwäche der Übersetzung aus dem Spanischen sein, mir erschien es unpassend.
Dazu kommt, dass Sibila eine unglaublich hochnäsige Katze ist - ja, Katzen müssen wohl ein wenig hochnäsig sein, aber sie können dabei immer noch sympathisch bleiben. Sibila benimmt sich zeitweise wie die Krone der Schöpfung und macht die ohnehin schon zerstörte Sara in unangemessener Weise völlig nieder (um sie später wieder aufzubauen?).

Das ist unter anderem der Grund dafür, dass man durch das Buch nicht Hinweise darauf erhält, wie ein Leben lebenswert würde - oder auch "katzenartig unbeschwerter", sondern man ständig ein schlechtes Gewissen hat, dass man kein super-universumsbewusster Yogi und eins mit der Welt ist.

Wirklich - eine Katze, die einem erklärt, warum man sich vegetarisch ernähren sollte? Ist das wirklich eine Grundvoraussetzung für ein glückliches Leben?
Und am Ende ist Sara, die wirklich jeden Spaß mitmacht, eine fahrradfahrende, meditierende Vegetarierin, die erst dadurch so richtig glücklich wurde...

Das Buch hat durchaus auch schöne Momente - bis zu einem gewissen Grad ist die Veränderung, die Sara durchmacht, wirklich interessant zu verfolgen. Wenn es nicht belehrend wird, ist auch der Schreibstil ein sehr angenehmer - das Buch lässt sich doch sehr flüssig lesen. Sehr gefallen haben mir auch die Hinweise auf (überwiegend spanische) Poesie und Literatur, die immer mal wieder angeführt wurden.
Alles in allem ein Leseerlebnis, das durchaus unterhaltsam war, in dem für mich aber zu viel mit erhobenem Zeigefinger herumgewedelt wurde. Idealismus trifft Lehrbuch. Und am Ende bleibe ich wohl lieber unglücklich.
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Eduardo Jáuregui: Gespräche mit meiner Katze. Erschienen am 25. November 2016 im Rowohlt Verlag. Kostenpunkt: 9,99€ als Taschenbuch.