Lisa Sonnenschein
Sooo - dieses Buch habe ich mal wieder im Rahmen einer Leserunde lesen dürfen. Die Bewertung hier fällt mir ein bisschen schwer. Ich versuche mal, mich zu erklären...
Die Videorezension zum Buch startet bei Minute 3:43



Wir begleiten in diesem Buch Irenie und ihren Vater, die - seitdem Irenies Mutter spurlos verschwunden ist - eine recht unzusammenhängende, kleine Familie sind. Irenie hat keine besonders gute Beziehung zu ihrem Vater und als sie auf dem Dachboden Briefe findet, die ihre Mutter mit ihrer Jugendliebe Ahmed ausgetauscht hat, hält sie nichts mehr und sie macht sich auf die Suche nach der Lebensgeschichte ihrer Mutter.

Wer mich kennt, weiß, dass ich unheimlich gerne Bücher über Frauenschicksale lese (gut, meine Meinung zu Effi Briest lasse ich da jetzt mal raus^^) und auch wirklich gerne Klassiker und mal etwas "entschleunigte" Bücher. Obwohl dieses Buch vom Schreibstil her ein hohes Niveau hält (den grade handelnden Figuren wird sich in der Äußerungsweise toll angepasst, aber generell ist der Sprachstil doch gehoben - wir befinden uns im universitären Kontext) und sich die Autorin wirklich etwas bei der Charakterzeichnung gedacht hat, hat es mich doch nicht ganz überzeugen können.

Richtig toll dargestellt sind hier die Protagonisten. Obwohl die kulturellen Unterschiede zwischen Irenies Vater (Brite - durch und durch!) und ihrer Mutter (geboren in Pakistan, zum Studium nach Großbritannien gezogen) nicht offensichtlich sind, sind sie da. Und das wird dem Leser hier toll vermittelt. Man spürt, wie Irenie zwei verschiedene Welten in sich trägt, ohne es zu wissen und wie sie damit umgehen muss. Das bringt auch ihre Beziehung zu ihrem Vater stark ins Wanken und zum Ende des Buches wird auch immer klarer, warum das so ist.
Ich schätze der Grund dafür, warum mir das Lesen dieses Buches so schwergefallen ist, ist der, dass die Entwicklung bis zur Aufklärung des Schicksals der Mutter eine sehr schwergängige ist. Ich hatte nach dem Klappentext doch fast kriminalistische Elemente vermutet (nach dem Muster "Tochter löst den Fall ihrer verschwundenen Mutter"), hier geht es aber wirklich vielmehr um die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten, die sich NATÜRLICH nicht von heute auf morgen entwickeln. Das und der Verlauf der Geschichte zum Ende hin (es gibt kein -Happy-End-auf-Teufel-komm-raus-, die Aufschlüsselung bleibt realistisch, ist aber trotzdem befriedigend) machen das Buch authentisch, aber nicht gerade leicht lesbar. Ich kann mir vorstellen, dass es dafür begeisterte Leser gibt, ich gehöre leider nicht unbedingt dazu.
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Sophia Khan: "Das Leuchten meiner Welt". Erschienen am 13. Juni 2016 im Diana-Verlag. Kostenpunkt: 9,99€ als Taschenbuch.