Lisa Sonnenschein
Es bleibt philosophisch! Hier mal was ganz Spezielles...:



Die Videorezension findet ihr bei Minute 28:47 - das steht aber ganz genau nochmal in der Videobeschreibung.


Der Klappentext des Buches verspricht relativ viel: Eine komplett neue Art Camus zu lesen. Vorweg -  diese Versprechung kann das Buch nur bedingt einlösen. 
Aber beginnen wir am Anfang. 

“Im Namen der Freiheit” stellt den Lebenslauf des berühmten Philosophen Camus seiner Philosophie gegenüber. Es beginnt bei Camus Kindheit und flechtet verschiedene Anekdoten und biografische Erlebnisse ein, um schließlich daraus verschiedene Grundpositionen (etwa gegenüber Todesstrafe, Barbarei etc.) zu erklären. 
Ein Grundwissen wird dabei allerdings auf jeden Fall vorausgesetzt, da viele Begriffe oder Bezüge (etwa auf de Beauvoir, Satre oder Nietzsche) nicht immer selbsterklärend sind bzw. oft wechselnd auftretende Charaktere wie Camus Mutter, Vater, Großmutter, Grundschullehrer, etc. dann zusätzlich verwirrend sein können. Insgesamt ist der Schreibstil aber sehr angenehm und regt zum Lesen und Nachdenken an. Viele Abschnitte sind außerdem geradezu grandios zum Zitieren geeignet: “Früher wurde geschrieben um gelesen zu werden heute um nicht verstanden zu werden.” 
Zudem sind alle Kapitel sehr knapp gehalten und nehmen selten mehr als drei Buchseiten ein. In jedem wird ein kurzer biografischer Bezug genommen, eine Geschichte erzählt oder Zusammenhänge deutlich. Das macht es zwar praktisch zum Beispiel für das Lesen vor dem Einschlafen oder unterwegs, jedoch rächt es sich manchmal, wenn man das Buch längere Zeit liegenlässt, weil oft auf Inhalte aus den vorrangegangenen Kapiteln nochmal Bezug genommen wird. Insgesamt ist das Buch gut strukturiert und führt immer auch Werke und Textstellen in Camus Originalwerk an. Auch wird öfter auf aktuelle Camusforschung eingegangen und wirklich kritisch hinterfragt. 
Ein sehr lesenswertes Buch - auch wenn selbst mit philophischer Grundkenntnis der Einstieg nicht ganz leicht fällt, entwickelt sich das Buch schnell und gut und bringt einige neue Sichtweisen und biografischen Zusammenhänge, die selbst bei einer akademischen Spezialisierung auf Existenzphilosophie und Camus nicht ganz offensichtlich sind.
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Michel Onfray: "Im Namen der Freiheit". Erschienen am 8. September 2015 im btb Verlag. Kostenpunkt: 12,99€ als Taschenbuch.