Lisa Sonnenschein
Was folgt ist meine erste Rezension ohne Video - vielleicht hole ich das bei Gelegenheit noch nach, folgend sollen jedoch nur noch einzelne Rezensionen von Videos unterstützt werden. 

Wer mich kennt weiß: Ich bin verrückt. Eine Disney-Fanatikerin, die (fast) jeden Satz in (fast) jedem Film mitsprechen, zumindest aber alle Lieder auswendig mitsingen kann. Ein gängiges Spielchen mit einer Freundin ist das zusammenhanglose Vorwerfen von Zitaten aus Disneyfilmen mit entsprechender Betonung. Ewige Schande droht dem, der dann nicht drauf kommt. ("Schande über dich, Schande über deine Kuh!")
Als ich also über diesen Titel und seinen Klappentext gestolpert bin, packte mich die pure Euphorie und ich habe sofort auf bestellen geklickt ohne weiter nachzudenken. Da die deutsche Übersetzung erst im April diesen Jahres erscheint, gab es das Ganze dann sogar noch in der englischen Originalfassung! Worum geht's?

In diesem Buch wird eine Insel beschrieben, auf die sämtliche Bösewichte der Disney-Geschichte verbannt wurden - während "Die Guten" fröhlich in Auradon auf dem Festland vor sich hin Happy-Enden. Finstere Königin des Ganzen: Natürlich Malefiz! Die Fiesewichte führen ein sehr tristes Dasein ohne Luxusgegenstände, königliche Titel oder gar ihre böse Magie. Es geht in dieser Geschichte aber nicht um sie, sondern um ihre Kinder. Den wichtigsten Kreis bilden dabei Mal (die Tochter von Malefiz), Jay (Sohn von Jafar), Carlos (Sohn von Cruella) und Evie (Tochter der bösen Königin). Sie bestreiten den ganz normalen Schulalltag, mit zugegeben etwas außergewöhnlichen Fächern, spielen Streiche, planen Parties, gehen auf die Suche nach magischen Zeptern und versuchen die Weltherrschaft an sich zu reißen - was man eben so macht.

Für einen eingefleischten Disney-Fan ist die Charakterzeichnung natürlich besonders interessant. Toll gemacht fand ich den totalen Verfall der altbekannten Bösewichte: Jafar ist ein leicht verwirrter Kleptomane geworden und Malefiz kann sich für nichts begeistern als Hohn und Demütigung anderer. Ihre Kinder sind da ganz anders, irgendwie unverbrauchter und aus dem Grund verliert das Buch für mich eine Menge Charme! Es tendiert so in eine "Jeder kann dem Bösen widerstehen und ein Happy-End-Leben führen" - Richtung, die mir dann zu sehr in die Sparte "kitschiges Jugendbuch" abdriftet. Die geläuterten Handlungen der Jugendlichen sind vorhersehbar und dem Plot fehlt es an Tiefe. Als ich danach den Film vom DisneyChannel (die direkte Fortsetzung der Ereignisse im Buch) gesehen habe, war mir sofort alles klar. Plastikpopmusik, gestelzte Tanzeinlagen und die klassische Cinderella-Story (Wie ironisch!). Das Buch war dann wohl nur ein Magnet für uns Leseratten und die eigentliche Vermarktungsstrategie kam dann mit dem Film. Leider gar nichts für mich - einen Trostpunkt gibt es für die Disneylizenz und die wirklich coolen Eltern der Protagonisten, die mir leider viel zu selten vorkamen.

Aber vielleicht werde ich auch einfach alt...
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Melissa De La Cruz: "The Isle of the Lost - A Descendants Novel". Erschienen am 2. Juli 2015 im Parragon Verlag. Kostenpunkt: 13,95€ als Taschenbuch.