Lisa Sonnenschein
Tatsache - ich habe gestern vor lauter Begeisterung für "Hallo Leben, hörst du mich?" total vergessen, die Gewinner der Blogtour auszulosen!

Asche auf mein Haupt, ich habe das gleich mal nachgeholt ;)
Freuen dürfen sich:

- Isabell Hertz (Fuchsgeist, mobi)
- Tiffi2000 (Fuchsgeist, mobi)
- Ramona Schimmrich (???, epub)

Herzlichen Glückwunsch! Meldet euch doch bitte bis Sonntag mit euren Mailadressen bei mir (lille1012[at]aol.com oder via Facebook). 
Lisa Sonnenschein
Auf dieses Buch bin ich durch die "Aktion Buchflüsterer" von buecher.de gestoßen - ich hätte es sonst vermutlich trotz supertoll klingendem Klappentext nicht mit nach Hause genommen.

Meine Videorezension zum Buch beginnt bei Minute 8:15.


Unser Protagonist ist der kleine Alex. Alex hat den großen Traum, ein Raketenwissenschaftler zu werden und gemeinsam mit seinem Hund Carl Sagan (*höhö*) eine Rakete ins All zu schießen. Um den Aliens einen Eindruck von der Erde zu verschaffen, nimmt er Sprachnachrichten auf seinem iPod auf...

Zuerst: Das Buch ist quasi eine Zusammenfassung der Sprachnachrichten von Alex an seine außerirdischen Freunde - jedes Kapitel ist mit Datum und Länge der Aufnahme gekennzeichnet (was auch ganz praktisch ist, um abzuschätzen, ob es sich lohnt "nur noch das Kapitel" zu lesen^^).
Die Sprache ist seeeehr einfach gehalten - Alex ist eigentlich schon 11 Jahre alt, nach dem Schreibstil hätte ich ihn allerdings etwas jünger geschätzt (rein sprachlich). Trotzdem ist er sehr selbständig und weiß eigentlich immer, was er zu tun hat.
Durch die einfache Sprache, die Alex verwendet und dadurch, dass er manche Zusammenhänge einfach nicht versteht, bleibt der Interpretationsspielraum beim Leser sehr breit - ich persönlich mag das sehr gerne (auch "Hier musst du glücklich sein" spielt mit diesem Effekt), ist jedoch nicht jedermanns/fraus Sache.
Das Buch hat einen unglaublichen Tiefgang, wenn man die Zusammenhänge zu interpretieren versteht. Aus diesem Grund würde ich es auch auf keinen Fall als Kinderbuch empfehlen - hier ist die Gefahr groß, dass die Handlung schnell langweilig wird (es passiert nämlich gar nicht soooo viel, wenn man einen actiongeladenen Jugendroman erwartet) und der eigentliche Reiz der Geschichte verloren geht.

Ich konnte dieses Buch nicht aus der Hand legen! Alex war ein total liebenswerter Protagonist und vom Handlungsverlauf war ich einfach nur hingerissen - ich kann euch "Hallo Leben, hörst du mich?" nur wärmstens ans Herz legen, für mich ist es seit meiner geliebten Krankheitensammlerin mal wieder ein absolutes Highlight-Buch!
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Jack Cheng: Hallo Leben, hörst du mich?. Erschienen am 6. März 2017 bei cbt. Kostenpunkt: 14,99€ als Hardcover.
Lisa Sonnenschein

Herzlich willkommen auf meinem Blog - heute ist der letzte Tag der Blogtour der Fuchs-Reihe und ich darf euch hinter den Kulissen herumführen!
Gestern durfen wir bei Booklovers Bücherblog mehr zur Tier- und Pflanzenwelt in Nicky P. Kiesows fuchsiger Fantasywelt erfahren. Schaut auch da einfach mal vorbei :)


Jetzt fragt ihr euch: Wo zum Henker ist denn eigentlich "hinter den Kulissen"? Was hast du mit der Fuchsreihe zu tun? Das kam so...

Nicky war schon länger eine gute Freundin von mir, als sie auf die Idee kam, einen Youtube-Kanal über Bücher in Leben zu rufen. Eh ich mich versah, saß ich auch schon mit Lieblingsbuch vor der Kamera und gab meinen Senf auch zu anderen Büchern ab, die ich vor Jahren gelesen hatte. Nicky hat mich dazu bekommen, wieder aktuelle Bücher in die Hand zu nehmen - und dann kam das Schreiben (also bei ihr - ich bleibe bei meinen Rezensionen ;)!
Nachdem schon eine Veröffentlichung aus frühen Schreiberlings-Jahren bei Amazon erschienen war, entstanden immer mehr neue Ideen in Nickys Kopf und sie tippte abends fleißig an ihren Geschichten.

Tja, und weil wir nunmal viel Kontakt haben und weil ich nunmal Germanistik studiere und Korrekturen meine heimliche (dezent sadistische^^) Lieblingsbeschäftigung sind, habe ich "mal drübergeschaut" ;). Und das gemeinsam mit einer anderen guten Freundin von Nicky, Taja. Im Text war das Chaos perfekt!
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Hier geben zwei ihren Senf dazu!
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Zugegeben, bei der ersten Korrektur-Arbeit wussten wir noch nicht so richtig, wie wir es anpacken sollten. In "Noel&Noelle" fanden sich noch so einige Fehler, die erst später ausgemerzt werden sollten.
Später kamen wir dann drauf, dass mehrere Durchgänge auf jeden Fall sein müssen und mehr Augen mehr sehen - es gab Testleser. Allerdings stellte sich raus, dass die Arbeit mit vielen Testlesern auch viel Aufwand ist und wir beschränkten uns wieder auf den festen Kern von Besserwissern :P.

Taja ist die Heldin der Logikfehler - für die letzte Korrektur hat sie ausgerechnet, wie lange die Protagonistin von Dorf A nach Dorf B braucht und so aufgedeckt, dass sie gar nicht so schnell sein konnte, wie es in der Handlung rüberkam!
Ich übersehe sowas unglaublich gerne (weil ich auch für Namen und Ähnliches ein Gedächtnis wie ein Sieb habe) - allerdings bin ich eine waschechte Grammatik-Fanatikerin und achte sehr auf Formfehler.
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Manchmal rutscht mir dann auch mal eine inhaltliche Bemerkung raus ;)
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Mittlerweile sieht unser Standard-Ablauf so aus:
- Nicky schreibt die Rohfassung des Skripts
- Taja überprüft den Inhalt
- Ich korrigiere Rechtschreibung und Zeichensetzung
- Nicky setzt unsere Anmerkungen im Text um
- Ich schaue nochmal drüber und filtere letzte Vertipper aus

Und zwischendrin sind natürlich seelischer Beistand, Diskussionen über gewisse Formulierungen, die Frage nach dem richtigen Cover, die Formatvorlage zum Hochladen bei Amazon und gaaaaanz viel Tee/Kaffee/Cappuccino an der Tagesordnung.

Bis ihr dann endlich auch in der Geschichte versinken dürft...


Und jetzt hab' ich genug gequatscht! Jetzt gibt's noch was zu gewinnen ;). Um eines der Bücher aus der Fuchsreihe als eBook zu gewinnen, beantwortet mir in einem Kommentar hier oder auf Facebook einfach die folgenden Fragen:

- Welchen Teil der Fuchsreihe würdet ihr gerne gewinnen?
- Welches eBook-Format braucht ihr?
- Wie seid ihr auf die Fuchsreihe und/oder diese Blogtour gestoßen?

Ihr habt dafür Zeit bis Dienstag - den 14.03. 23:59 Uhr. Ich drücke euch die Daumen! :)
Lisa Sonnenschein
Es ist Zeit für ein bisschen Selbstliebe! So ungefähr war mein Gedanke, als mich dieses Rezensionsexemplar erreichte. Kosmetik selber machen? Na, ob das was gibt... Es gab!




Ich habe noch nie meine Kosmetik selbst gemacht - ich bin ein Make Up Vollidiot und schminke mich so ungefähr zweimal im Jahr. Ich bin also an dieses Buch ziemlich blauäugig rangegangen und habe die Rezepte, die ich im Video zeige, nach dem Konzept "Klingt witzig" ausgesucht.

Der Aufbau des Buches
Wer keine Ahnung hat, ist hier bestens aufgehoben - zuerst werden mal die Zutaten bestimmt und der eigene Hauttyp geklärt. Die Rezepte sind alle mit Infos versehen: Für welchen Hauttyp ist das Produkt geeignet? Wie lange ist es haltbar? Wie wird es am besten aufbewahrt? Die Kapiteleinteilung ist schön gemacht und mit tollen Illustrationen versehen - superklasse fand ich die Seiten mit "Themenrezepten" zum Beispiel aus Beeren oder Apfel.
Weil ich mit eingelegten Notizzetteln gearbeitet habe, habe ich allerdings gar nicht gemerkt, dass das Buch keine Seitenzahlen hat! Für einen langfristigen Gebrauch ist das sicherlich richtig ärgerlich.

Die Beschaffung der Zutaten
Ich habe ehrlich gesagt erwartet, dass ich viele der Zutaten einfach durch einen Gang in die Innenstadt zusammensammeln könnte (Kakaobutter, Kokosöl, Bienenwachs, Ätherische Öle...) - dem war leider nicht so. Trotzdem habe ich einen Onlineshop gefunden, in dem es fast alle Inhalte auf einen Haufen gab. Ganz billig war das Ganze nicht, so 30€ werde ich schon ausgegeben haben. Ich habe allerdings auch noch so einiges übrig, Menschen mit einer gewissen Erfahrung bei der Herstellung von Kosmetika haben vieles bestimmt schon parat.

Die Zubereitung
Also SO einfach habe ich das wirklich nicht erwartet! Die Anleitungen sind Schritt für Schritt und selbst Tollpatsche wie ich können eigentlich gar nichts falsch machen bei der Zubereitung. Ich habe auch unglaublich wenig Zeit für alles gebraucht - meist verlief die Herstellung nach dem Muster: Alles Abmessen, Schmelzen, Öl hinzufügen, abfüllen. Supereinfach!

Die Ergebnisse
Ich habe endeffektlich folgende Produkte hergestellt:
- Ein Gurken-Pefferminz-Gesichtsspray (Die Farbe ist fragwürdig, aber es riecht tatsächlich wunderbar frisch, zieht schnell ein und ist nicht klebrig auf der Haut. Ideal für den Sommer!)
- Einen Zitronen-Lippenbalsam (Riecht etwas "gesund", ist aber eigentlich auch als Lavendelbalsam konzipiert - den ich so gar nicht leiden kann... Die Konsistenz ist göttlich, meine Lippen lieben dieses Zeug!)
- Eine Kakao-Bodybutter (Mein Favorit! Die Creme ist beim Abfüllen wie Buttercreme auf einer Torte gewesen und härtet später nach. Sie zerschmilzt wie Margarine auf der Haut und riecht toll schokoladig - der Body Shop könnte es nicht besser!)
- Seife (Ich habe meine mit Tee gefüllt und zwei Blöcke bunt eingefärbt. Ich bin nicht so der Seifenmensch, aber meine Oma war total begeistert. Das perfekte Geschenk also)
- Ein "Facial" (Ganz einfach und super kostengünstig - die Zutaten hatte ich sogar alle zu Hause. Hat sich toll angefühlt für einen Sonntag Nachmittag. Ob das Ganze jetzt sooo einen Effekt auf meine Haut hatte, weiß ich allerdings nicht...)

Mein Fazit?
Das war witzig! Die Beschäftigung mit Aromen, Konsistenzen und Ingredienzien war spannend und der Sonntag verging total tiefenentspannt (und duftend!). Das Buch macht bestimmt auch richtig Spaß, wenn man es mit Freundinnen zusammen austestet und so einen richtig klischeehaften Mädelstag startet - bei mir musste dafür der Freund herhalten :P. Hier wird wirklich jeder fündig!
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Stephanie Gerber: Hello Glow. Erschienen im Februar 2017 im mvg Verlag. Kostenpunkt: 12,99€ als Hardcover.
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Moment, du hast doch was von Gewinnspiel gesagt!
So ist es - dank der freundlichen Unterstützung des mvg Verlags darf ich eines dieser Bücher an euch verlosen!
Lasst mir dazu hier oder auf Facebook einfach bis zum 12. März um 23:59 Uhr einen netten Kommentar da und lasst mich wissen, 
wem ihr am liebsten mal eine knallgrüne Gesichtsmaske verpassen würdet ;).

Viel Glück!
Lisa Sonnenschein
Heute ist "Das Mädchen aus dem Norden" offiziell erschienen. Das Buch ist irgendwo zwischen den Genres "Thriller" und "Krimi" angesiedelt und regt die Grauen Zellen an! Ich durfte es vorab lesen und heute gibt's dann auch die Rezension dazu :).
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Sasza Załuska ist mit ihrer kleinen Tochter in ihr Geburtsland Polen zurückgekehrt - eigentlich um sich endlich niederzulassen und zur Ruhe zu kommen, denn viel zu lange führen die beiden schon ein Nomadenleben. Doch Ruhe ist der Profilerin und ehemaligen Polizistin wirklich nicht vergönnt und so sieht sie sich bald in einen vielschichtigen Fall verstrickt...

Der größte Teil der Handlung des Buches spielt in der Danziger Unterwelt. Prostitution, Drogen und Gewalt sind an der Tagesordnung und bei so manchem Fiesewicht sucht man nach der Empathie so ganz umsonst. Das sorgt für eine sehr finstere Atmosphäre im Buch und ich habe mich selbst sehr oft dabei erwischt, JEDEM erstmal zu misstrauen.

Der Schreibstil ist angenehm - mich haben gelegentlich die polnischen Namen etwas aus der Bahn geworfen, die mein Kopf nicht aussprechen konnte^^. Erzählt wird unter anderem mithilfe eines Zeitsprunges, ansonsten sind auch einige recht kurze Kapitel mit Perspektivwechsel drin, die einen noch tiefer in diesen Kriminalitätssumpf eintauchen lassen.

Die Handlung ist wahnsinnig vielschichtig! Es treten unheimlich viele Charaktere mit unheimlich vielen Motiven auf und das ganze wird zwischendrin einfach unheimlich unübersichtlich. Das Charakterglossar am Ende des Buches hilft ungemein. Richtig toll: Man ist ein bisschen selbst der Detektiv! Ich habe über diesem Buch sehr viel herumgegrübelt und bin erst ganz am Ende, gemeinsam mit Sasza, auf die Lösung gekommen.

Mein Fazit: Ein umheimlich vielschichtiger, bildhaft aufgebauter Thriller. Hervorragend recherchiert und absolut packend. Kleine Längen im Mittelteil und immer neue Neben-Handlungsstränge sind ein kleines Manko.
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Katarzyna Bonda: Das Mädchen aus dem Norden. Erschienen am 6. März 2017 im Heyne Verlag. Kostenpunkt: 16,99€ broschiert.
Lisa Sonnenschein
Auf Facebook läuft gerade eine Aktion unter dem Hastag #diesesBuchhateinenHypeverdient - zu bestimmten Themen empfehlen Leser, Autoren, Blogger und Verleger Bücher von Autoren, die nicht für einen der ganz großen Verlage schreiben. "Ein Herz für Indies" hat eine Kollegin die Aktion zusammengefasst.

Heute geht es rund um das Thema "Reise" und auch da möchte ich mich wieder mit einer Empfehlung für euch melden. Das Buch "Verlassener Stern" von Mona Silver beschreibt die Reise von Charlie Palmer - und zwar nicht nur eine Reise quer durch's Land, sondern auch eine Reise zu sich selbst (auch wenn das jetzt unglaublich kitschig klingt). Das Buch ist der zweite Teil einer Buchreihe, allerdings auch völlig unabhängig lesbar. Zu meiner Rezension des Buches geht es hier und den Klappentext findet ihr, wenn ihr oben auf den Namen der Autorin klickt.

 Warum ich das Buch jemandem empfehlen würde, der gerne etwas über eine Reise lesen möchte? 
Die Autorin des Buches hat eine wahnsinnige Stärke: Ihre Charakterdarstellung ist unglaublich überzeugend und besonders im Vergleich der beiden bereits erschienenen Bücher wird deutlich, wie unterschiedlich die Angehörigen des "Sternenvolkes" eigentlich sind und wie sehr sich die Persönlichkeiten der Bo'othi mit denen ihrer menschlichen "Gastgeber" ergänzen. Charlie, die Protagonistin, ist eigentlich eine sehr gefestigte Person - durch den Wandel zu einer Bo'othi wird sie darin jedoch total durcheinandergebracht und kämpft mit einer fremden Seele in ihrer Brust.

Das Buch "Verlassener Stern" beschreibt also die Reise durch das halbe Amerika, eine Hin- und Her-Reise zwischen der Welt der Menschen und der der Bo'othi und die Reise einer jungen Frau zu sich selbst. Und ganz nebenher gibt es auch noch eine Liebesgeschichte, die sogar mich gänzlich überzeugen konnte ;).

Dieses Buch hat einen Hype verdient!
Lisa Sonnenschein
Heute mal was ganz Anderes! Der ewige Running-Gag bei Viellesern und Buchbloggern ist ja das ewige "Das Buch war besser!" nachdem man eine Neuerscheinung im Kino gesehen hat. Ich habe mal den direkten Vergleich gewagt und mir das Buch "Silence" von Shusaku Endo neben der gleichnamigen Verfilmung (Kinostart war der 2. März) von Martin Scorsese angeschaut. Mein größter Dank geht an den Concorde Filmverleih, der mir die Kinokarte hat zukommen lassen!
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Das Buch?
"Silence" spielt in einer außergewöhnlichen Zeit an einem außergewöhnlichen Ort - wir befinden uns um das Jahr 1640 herum in Japan. Was ich nicht wusste: Zu der Zeit wurden Angehörige des christlichen Glaubens dort konsequent verfolgt, gefoltert und ermordet. Trotzdem hatten sich diverse Untergrund-Gemeinden gebildet, sogenannte "Kakure kirishitan" (versteckte Christen). In "Silence" begleiten wir zwei portugiesische Pater auf ihrem Weg nach und durch Japan - eine sehr bedrückende Geschichte.


Das ist es auch, womit "Silence" vordergründig punkten kann. Die Atmosphäre im Buch bedrückt einen nachhaltig und obwohl bei Weitem auf der Gefühlsebene nicht alles ausgesprochen wird, steht viel zwischen den Zeilen. Das gilt nicht nur für den Protagonisten, sondern auch für alle anderen Figuren, mit denen der Leser konfrontiert wird. Auch die Entwicklung, die unser Protagonist Rodriguez durchmacht, als er beginnt, sich zu fragen, wie Gott zu alldem schweigen kann, wird eher indirekt vollzogen und löst sein sehr naives "Gott wird's richten!"-Denken ab. Ich muss gestehen, dass ich es zwischendrin doch sehr langatmig fand...

Sprachlich ist das Buch eigentlich kein Geniestreich (Anmerkung: Ich habe es auf Englisch gelesen), umso erstaunlicher ist es, wie wahnsinnig sensibel man diese Änderungen wahrnimmt. Wer sich von der Stimmung in einem Buch gerne auf diese Weise mitnehmen lässt, wird hier seinen Meister finden! Ich kann mir gut vorstellen, wie ein Martin Scorsese auf seinem Sofa sitzt und sich denkt "Was für eine tolle Atmosphäre! Das Buch muss ich verfilmen!". 


Gut, zugegeben, ganz so war es vielleicht nicht - Scorsese sagt selbst: „In der heutigen Phase meines Lebens grüble ich ständig über Themen wie Glauben und Zweifel, Schwäche oder das Schicksal des Menschen nach – und Endōs Buch berührt diese ganz direkt.” Klingt ja auch gleich viel seriöser! ;)


Der Film?

Martin Scorsese ist ja nun keine unbekannte Filmgröße (Gangs of New York, Shutter Island, Departed), hat mich also einiges erwarten lassen. Der Trailer hat mich dadurch neugierig gemacht, dass handlungstechnisch gar nicht viel passiert, die Atmosphäre aber wahnsinnig toll transportiert wird. Jetzt, da das Buch gelesen ist, finde ich ihn einfach viel gelungener, als als unbefangener "Mach mal 'nen Trailer an!"-Zuschauer.





Der Film schließlich ist einfach unglaublich nah an der Buchvorlage - ich bilde mir ein, einzelne Textpassagen wiedererkannt zu haben. So einen buchnahen Film habe ich wirklich bewusst noch nie gesehen. Das hat Vorteile, zum Beispiel kann nur so wirklich die Entwicklung rübergebracht werden, die unser Pater durchmacht. Andererseits hatte ich so mit denselben Längen zu kämpfen, wie auch schon im Mittelteil des Buches.
©Concorde Filmverleih

In der Besetzung brilliert Andrew Garfield - er war meines Erachtens nach wirklich die beste Wahl als Hauptdarsteller. Hier wurde eine hochemotionale Rolle absolut überzeugend umgesetzt. Schade fand ich die Drehbuch-Umsetzung von Garrpe - im Buch hatte ich den Eindruck, dass er der weisere, gesetztere der beiden Pater ist, im Film hat er die emotionalere Rolle eingenommen.

Insgesamt ist der Film ebenso wie die Buchvorlage ein Erlebnis, das leise daherkommt. Entwicklungen finden langsam statt und wer auf der Suche nach einem Actionfeuerwerk ist, sollte hier nicht weitersuchen. Vielmehr wird "Silence" fast schon psychologisch - die bedrückende Atmosphäre hat sich bis ins Publikum fortgesetzt, es war während und auch nach der Vorstellung unfassbar still.
©Concorde Filmverleih

Musikalisch ist der Film absolut minimalistisch angelegt. Oftmals lebt er von der "Silence" im Hintergrund, gelegentlich findet sich eine traditionell japanische Untermalung. Mehr hat Scorsese aber auch nicht nötig - die Bildgewalt und die wunderschöne Umgebung (gedreht wurde in Taiwan) tun ihr Übriges. Sehr häufig treten auch Naturgeräusche in den Vordergrund oder ja, auch ganz bewusst das Ächzen der Gefolterten...


Und wie war's jetzt?
"Silence" ist weder ein Buch für zwischendurch, noch ein Film für den lustigen Abend mit Freunden. Wir haben hier garantiert keine Verfilmung für jedermann - ein gewisser Hang zu historischen Zusammenhängen und/oder Japan im Speziellen sollte man glaube ich schon mitbringen, um hier zufrieden rausgehen zu können (oder man ist faul und liest wie ich den Wikipedia-Artikel). Man muss sich auf die Handlung einlassen und versuchen, Rodriguez' Handeln und seine Emotionen nachzuvollziehen. Dann kann der Film/ das Buch dieselbe Wirkung haben, wie bei mir - ich bin damit auf jeden Fall noch lange beschäftigt...
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©Concorde Filmverleih